BVB, Fussball

Haltung. Jetzt.

Es ist mein Verein und ich möchte nicht, dass er mir kaputt gemacht oder auch nur verleidet wird. Es ist mein Verein, aber ich möchte, dass es auch der Verein von Schwulen und Migranten sein kann.  Auch lesbische, schwarze Behinderte will ich hier haben.

Und darum finde ich es zum kotzen, was die letzten Wochen offenbar wurde: Wir haben ein ernsthaftes Fascho-Problem in der Kurve. Ich verzichte ganz bewusst auf ein Verlinken der entsprechenden Banner im Spiel gegen Werder und das unerträgliche Gedenken an einen Vollspacko und die Bezugnahme auf die NWDO.

Es hat viel zu lange gedauert, bis der Verein reagiert hat und auch dann musste wohl die Fanabteilung mit einer klaren Stellungnahme vorangehen. (Zu finden hier: http://www.bvb-fanabteilung.de/neuigkeiten/aktuelles/3301-stellungnahme-courage-gegen-nazis.html)

Ich kann es nicht oft genug betonen, dass der Fussball für mich auch aus eigener Erfahrung einen entscheidenden Kommunikations- und Integrationsfaktor darstellt, der Menschen zusammenbringt und Verständnis schafft. Aber selbst, wenn es nur um den BVB und seine Aussenwirkung, sein Image geht und nicht um die Überzeugung, eine zivilgesellschaftliche Verantwortung zu tragen und solchen faschistischen Tendenzen klar entgegenzutreten, erwarte ich  – und sei es eben aus Sorge um Presseecho, Aussenwirkung und Marketingeinnahmen – dass sich der Verein klar positioniert. Er tut dies dann aus den falschen Gründen, dies ist für mich dann aber letztlich akzeptabel, weil es um das Ergebnis geht.

Aber wenn der BVB dann reagiert, gibt Aki Watzke der TAZ ein Interview, das mich sprachlos zurücklässt; nicht nur mit seinen völlig unreflektierten Äusserungen zu schwulen Fussballern und der lächerlichen Relativierung “Werder hat aber angefangen!” (Dann ist Homophobie also in Ordnung, oder zumindest verständlich? Aki, nein, ist sie nicht), sondern auch mit der kategorischen Ablehnung von Pyrotechnik (wir waren da schon weiter, ehe sich die Verbände ohne Angaben von Gründen zurückgezogen haben) und der Aussage, ein Rüstungskonzern sei als Sponsor nicht auszuschließen. (Ernsthaft, Aki? Ich wäre dann weg).

Insgesamt lässt sich der Auftritt meines Vereins in den letzten Wochen wie folgt zusammenfassen:

Und ich möchte keinen “Runden Tisch”, ich will dass die Süd geschlossen den Arschlöchern die Tür zeigt. Und tief in mir drin wünsche ich mir eine Runde Block-Kloppe. Von Northside und Desperados erwarte ich gar nichts mehr, nicht erst seit den Informationen hier: http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/nazis-koennten-die-fanszene-des-bvb-spalten-id7055668.html. Das sind Fangruppierungen, die ich zähneknirschend hinnehmen kann, ohne aus dem Verein auszutreten, solange ich mit ihnen nichts zu tun haben muss und solange sie nicht offen Propaganda betreiben. Von Unity erwarte ich aber mehr. Unity könnte diese Auftritte zumindest im Westfalenstadion umgehend beenden.

Und darum der Appell: Haltung. Jetzt.

 

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BVB, Fussball

Ich kann den S04 nicht hassen

Und damit stosse ich im Verein und vor allem im Fanclub immer wieder auf erstaunte Gesichter bis hin zur Ablehnung und Frage, was ich denn für eine verweichlichte Pussy sei. Fussball-Folklore halt. Dabei ist es doch mehr als das, denn der Schritt vom stumpfen Mitsingen, dass in Schalker Bäuche Messer gehörten, bis zu echter körperlicher Gewalt ist klein. Die Grenze zwischen Aggro-Gesang und Kloppe wird nur allzu leicht durch Akohol und gruppendynamische Prozesse aufgeweicht.

Ich kann nachvollziehen, was Männer (und es sind nur Männer) dazu treibt, sich die Fresse zu polieren, statt lachend und Bier trinkend ein Spiel zu schauen. Testosteron funktioniert, Ausgrenzung auch und wir gegen die schon immer.  Aber was man letztlich aus körperlicher Gewalt für eine emotionale Befriedigung ziehen kann, werde ich nie verstehen. Und diese Gewalt ist in meinen Augen auch beliebig. Warum sollten sich nicht die Ultras aus Rothenburg ob der Tauber und Neustadt am Rübenberge auflauern mit Schaum im Mundwinkel und Hass auf die anderen. Braucht es dazu eine sportliche Tradition? Warum? Und kommt mir nicht mit Bannerklau und all diesen Geschichten. Ersetze Banner durch Förmchen und Stadion durch Spielplatz und man ist beim Kern angekommen.  Natürlich ist ein Derby auf der Süd mit das Grösste, was man im Stadion erleben kann und auch ich brülle, dass der Jones eine gottverdammte Drecksau ist, aber dabei bleibt es. Sie haben ihre Drecksau, wir haben Kevin. So what. Wir haben immerhin eine und nicht nur Schwiegersöhne.

Bliebe immer noch die Feindschaft zum S04 ohne Kloppe. Auch die verstehe ich nicht. Denn wie geil ist es bitte, dass der direkte Konkurrent um die Ecke sitzt, man in einer Liga spielt und der S04 immer nur ein bißchen schlechter abschneidet als wir. Fragt mal bei 1860 nach, ob sie die Roten nicht eigentlich vermissen. Beide Vereine ziehen riesige Mengen an Fans an und mobilisieren bundesweit Emotionen. Die und wir kommen aus dem Ruhrpott, und wir können uns damit mit Alleinstellungsmerkmal von den anderen grossen Vereinen abgrenzen und halten die proletarische Geschichte der Clubs hoch (was dies von Ende der 20er bis 45 bedeutet hat, ist mir dabei völlig klar). Ruhrpottkanacken halt. Ich würde keine Sekunde jubeln, stiege Schalke ab. Ich fände das Scheisse. Ich will das Derby und ich will die Rivalität.

Und ich habe auch 2001 nicht gelacht. Ich hätte damals nicht königsblau tragen wollen, diese Enttäuschung muss unfassbar gewesen sein. Ich meine, wer ist denn statt S04 Meister geworden – der FCB. Und das ist wirklich besser? Erzählt mir doch keinen Mist.

Und um noch die Kurve zu kriegen, halte ich es mit Frau Potz (grosse Band, anhören): “Ich kann das nicht. Ich kann Liebe nicht!”

Nur der BVB.


 

 

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BVB, Fussball

Heimspiel in München

Ich bin aufgeregt. Gut, Pokalfinale 2012 war schlimmer, die Fast-Pleite 2005 auch. Genaugenommen hatte ich auch vor der Führerscheinprüfung Angst und als kleiner Junge habe ich mal nachts mein Zimmer nicht wiedergefunden; war schlimm.

Und jetzt schreibe ich hier was. Mein erstes Mal bloggen. Zum BVB und zum Fussball. Das ist toll macht mich total nervös. Ich bin Stefan, 39 Jahre, aus Berlin, jetzt in München.  Schwarz-gelb seit 1982. Vermittelt über den Vater, der aus Dortmund kommt. Nie in Dortmund gelebt, musste ich mich an Hertha und neuerdings dem FCB abarbeiten. Nachdem das Fansein eine Zeitlang nebenbei lief, wie wohl bei vielen 10jährigen Jungs, kam es dann zur Gefühlsexplosion beim Pokalfinale 1989. Zwei Worte: Norbert Dickel. Und ich als 16jähriger neben meinem Vater im Olympiastadion. Ich hatte vergessen, dass mein Vater gar nicht wusste, dass ich rauche und habe mir in verzückter Selbstauflösung eine Kippe nach der anderen angesteckt. Heute behauptet mein Vater von ihm hätte ich es mit Sicherheit nicht, dass ich mich nahezu jederzeit mit Begeisterung über Fussball austauschen kann. Vereinsmitglied seit 1997. Fanclubmitglied seit 2010 (Münchener Borussen).

Hier http://www.goal.com/de/news/3642/editorial/2012/08/11/3298916/supercup-in-deutschland-dortmund-gegen-bayern-wie-ist-der hatte ich im Vorfeld zum Supercup schon einiges zum Status des BVB vor dem Saisonstart gesagt. So viele Spiele kann ich leider vom BVB in der Saison nicht live sehen und war darum gestern im Stadion. Dazu einmal Grundsätzliches: wer bei einem Supercup für La Ola aufsteht und begeistert quiekt, wenn die nächste Runde eingeläutet wird (ich rede von euch, verliebtes Pärchen in Block 135, Reihe 18, Platz 10 und 11) sollte nie wieder ins Stadion dürfen. Natürlich soll Fussball für alle da sein, aber ich wünsche mir in jedem Jahr, das ich älter werde und mich für die Nebengeräusche und Folklore immer weniger interessiere, einen abgegrenzten Block, in dem man nicht vor Spielende gehen darf, wo es keine homophoben und rassistischen Arschkrampen gibt, wo keiner “Hau ihn um die Sau” brüllt und sich das Spielverständnis einen Schritt über “Sie spielen 4-4-2, oder?” hinaus entwickelt hat. Kann man sowas nicht mal anbieten?

Nicht dass hier Missverständnisse aufkommen, ich fahre sehr gerne mit dem Fanclub zum Stadion, inklusive Bier, Hüpfen in der U-Bahn und Sprechchören. Im Stadion aber sitze ich gerne konzentriert auf meinem Platz und freue mich wenn der Bierverkäufer an den Platz kommt. Ich mache auch keine 17stündigen Auswärtsfahrten nach Hamburg im Bus. Ich bin alt und habe das Geld. Ich sei ein Schönwetterfan ruft mir da der Fannachwuchs schon mal zu. Ich antworte dann ich hätte schon 1983 im Regen gestanden! Mit 400 anderen Leuten am Freitag abend!! Und nachts um Karten für die Relegation gegen Fortuna Köln angestanden!!! Habe ich natürlich alles nicht. Aber eine solche Ansage eignet sich als Einstieg in eine Diskussion mit den 20jährigen Hardcore Allesfahrern, denen man dann doch klarmachen kann, dass man vielleicht ein Schönwetterfan, aber kein Erfolgsfan ist. Ich liebe meinen Verein. Auf meinem Sitzplatz im Trockenen. Und vorm Fernseher.

Zurück ins Stadion; ich hatte vor dem Supercup mit einem torreichen Spiel gerechnet, sind doch beide Abwehrketten durch offensichtlich fehlende Abstimmung (wir) und neue personelle Konstellationen (die anderen) noch nicht gefestigt. Können sie auch gar nicht sein. Angesprochen auf die wirklich grauenhaften ersten 20 Minuten, die mir üble Champions League flashbacks verschafften ob der Art und Weise, wie hier eiskalt zugeschlagen wurde (Mandzukic? I am impressed), meint Klopp “Ich brauche keine Erklärung dafür. Es reicht, wenn wir das einfach abstellen.” Und das fasst es wunderbar zusammen. Die Automatismen kommen noch und aus Subotic muss noch der Leichtsinn herausgearbeitet oder auch herausgebrüllt werden. Sonst steht da ruck zuck Santana und Neven wundert sich.

Reus irrlichterte 45 Minuten über den Platz, dass man merkte, er kommt von der falschen Borussia und die BVB Spielweise ist ihm noch nicht völlig vertraut ist. Kevin wird seine 3,4 sehr guten und zwei überragende Spiele (die Derbys) nächste Saison machen, aber ansonsten fürchte ich, dass er weniger spielt, als ihm lieb ist. Und ich muss Abbitte leisten. Bei Götze, dem ich einen jämmerlichen Fitnesszustand unterstellt habe; es war auffällig, dass es sofort besser lief, als er auf dem Platz stand. Gleiches gilt für Schieber, den ich, da auf mein Tor gespielt wurde, genauer beobachten konnte. Hat mir gut gefallen. Ebenso wie die von Klopp vorgenommenen Umstellungen, die fortan dem gestern in der tat starken defensiven Mittelfeld der Bayern den weiteren Zugriff auf unsere Offensivreihe verwehrten.

Zu den Bayern seien noch zwei Kommentare erlaubt. Nummer 1: Tymoshchuk – Ende des Kommentars. Nummer 2: Robben ist und bleibt in seiner Gestik und Theatralik unerträglich. Wird für ihn dadurch in den nächsten dann auch wichtigen Spielen gegen uns dadurch nicht einfacher.

Und dann noch ein Wort zu Teddy de Beer, der Weidenfeller vorm Anstoss aufgewärmt hat. Was ist dieser Kerl toll, die Physiognomie eines Millwall Hools verbunden mit einer Bodenständigkeit und Professionalität, die beeindrucken. Wird vielleicht ausserhalb des Vereins gar nicht so wahrgenommen, aber Teddy hat Weidenfeller eine Klasse besser gemacht und so etwas wie professionelle Gelassenheit in ihm geweckt. Ein intellektueller Leuchtturm wird Roman dadurch sicher nicht, aber man muss zumindest keine Angst mehr haben, dass er mit Schaum vorm Mund auf Schiris zuläuft und kann sich sicher sein, dass er die haltbaren Dinger hält und die Abwehr sauber aufstellt.

Schließlich noch zum Schiri: War es Hand? Keine Ahnung, sowas sieht man im Stadion nicht. Es haben aber 5000 Leute “HAAAAAND!” gebrüllt, muss also eine Skandalentscheidung des Schiris gewesen sein. Spielergebnis daher 2:2 und 5:4 nach Elfmeterschiessen für uns (Robben vergibt bei 4:4.)

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