Jagdhund

Eigentlich beschimpfen sie mich. Und dies seit dem ersten Album. Auf jeder Split-Single.

Und ich liebe sie dafür. Love A sind für mich noch Punk und haben heute ihr drittes Album veröffentlicht, Jagd & Hund. Auch auf Vinyl, mit Jutebeutel, Aufkleber, wie man das heute halt so macht. War “Eigentlich” 2011 noch ein ziemlich roher Brocken mit ins Hysterische kippenden Stücken (Prototyp: die 1:37 von Freibad) schloß sich daran “Irgendwie” an, ein Album, das mich 2013 mit seiner ersten Single “Windmühlen” zutiefst berührt zurückließ. Man kann man einen Song wie Windmühlen auch als tendenziell weinerlichen Befindlichkeitspunk definieren, der nur durch Attitüde und Punksound den richtigen Abstand zu – sagen wir – Blumfeld wahrt. Man kann aber – so wie ich – trotzig sagen, daß Love A exakt beobachten und so textsicher sind, daß sie diese Beobachtungen eben auch in die richtigen Song-Zeilen packen. Die Texte sind eindeutig genug ohne plakativ Punk-Parolen herauszuspucken, die ich tatsächlich nicht mehr ertrage, wenn sie nicht zumindest ironisch gebrochen sind. Besser aber noch ist es, wenn eine Band es schafft, eine Lebensrealität zu schildern und ihre Verachtung hintenrum vor dir auszubreiten. Love A schafft das.

Und sie schaffen das unter Verzicht auf das klassische Punkbesteck sondern schwören auf unverzerrten Twäääng. Es ist so viel einfacher wütend rüberzukommen, wenn man Toxoplasma heißt und auch so klingt. Der unpunkige Sound (um das schauderliche “Indie” zu vermeiden) unterscheidet Love A auch von ihren Brüdern im Geiste wie Turbostaat, Captain Planet, duesenjaeger, Grand Griffon und Konsorten. Und derzeit liegen sie vorne. Vor den Anderen.

Und sie beschimpfen mich halt, weil ich nicht die Ramones bin. Altbauwohnungspunk. Und ich kann mit ihrem Blick auf mich leben, denn die Beobachtung trifft zu. “Wir machen Schulden, sammeln Herzen” (aus “Regen auf Rügen”)

Jagd & Hund setzt die Entwicklung von Irgendwie fort und Jörkk klingt immer noch den genau richtigen Schritt drüber. “Papa, der hat Probleme, oder, der klingt so!”

Die Produktion gefällt mir auch, ich mag es, wenn Vocals nach vorne gemischt werden. Es finden sich Songs wie “100.000 Stühle leer”, der so Indie ist, daß mich der Text überzeugt und es gibt “Augenringe”, der alles mitbringt. Bei “Ein Gebet” warte ich auf das gehämmerte Jerry Lee Lewis Klavier. Kommt aber nicht, vielleicht auf Album vier. Ich werde auch dann bei ihnen sein.

Große Band, großes Album.

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