Und dann tut es doch weh

“Vielleicht tut es doch weh
und dann packt dich die Angst.
Manchmal glaubt man beinahe selber,
dass das alles so gehört.
Vielleicht tut es doch weh
und nimmt dir den Schlaf.
Manchmal glaubt man beinahe selber,
dass das alles so gehört.”

Das singen Turbostaat und sie singen nicht über Fußball. Und sie singen schon mal gar nicht über den BVB. Und Lewandowski ist ihnen im Zweifel egal.

Aber mir nicht. Ich wünschte nach sechs Monaten Vorlaufzeit wäre es so, dass ich sagen könnte: So what! Kann ich aber nicht, weil der Verlust in sportlicher Hinsicht groß ist und der Wechsel gerade zum FCB einen Stich versetzt. Es ist mir egal, aber so wollte ich’s doch nicht haben.

Was hat dich bloß so ruiniert bin ich verleitet, Robert L. zuzurufen.

Um dann doch nüchtern festzustellen, dass ihm in sportlicher Hinsicht kein Vorwurf zu machen ist. Kein eingeschnapptes Verhalten, keine Kampagne (über die Zickerei zu Beginn der Vorsaison sei hinweggesehen, die kam auch primär von den Beratern – er konnte wirklich nicht ernsthaft erwarten, dass wir ihn zu diesem Zeitpunkt gehen lassen), keine lustlosen Auftritte. Wenn seine Leistung insbesondere in der CL nicht an die der Vorsaison heranreicht, dann bewegt er sich damit nur auf dem Niveau des gesamten Teams, das die letzte Drehung des Messers, den double leg slam, den Fangschuss vermissen lässt.

Er wechselt zu dem Team, das ihm eine Titelgarantie geben kann und ihm erlaubt, in Gehaltssphären vorzudringen, die beim BVB derzeit undenkbar sind. Ich muss das nicht verstehen. Kann es aber nachvollziehen.

Und wenn man hört (aus Sekundärquellen, mit mir spricht ja sonst keiner), dass Lewandowski im Team integriert ist, anders als wohl etwa Götze auf seinen letzten Metern (oder sogar schon vorher), dann spricht Einiges dafür, dass er auch die Rückrunde absolut professionell zu Ende spielt.

Wenn ich mir was wünschen darf – Pokalfinale gegen die Bayern. 4:3 für uns nach Verlängerung. Drei Tore Lewandowski. Und danach kein Kuss aufs Wappen aufm Trikot, keine Tränchen, sondern ein Abschied von den Fans im Stadion mit Stil. Ein ehrliches Danke für die gute Zeit und ab.

Ich habe keine Ahnung, wen wir als Ersatz holen; schon jemanden zu finden, der eine vergleichbare Klasse hat, erscheint mir schwer. Und er muss dann auch noch ins Mannschafts- und Gehaltsgefüge passen. Ich habe keine Ahnung, wer das sein könnte. Es wird wohl eher nicht Schieber sein. Und es sollte keiner sein, bei dem die Verhandlungen in der 9 Mio. Region anfangen, die Lewandowski beim FCB wohl erreicht hat. Sicher ist, dass ein Team, dem absolute Leistungsträger wegbrechen, Zeit braucht. Ich werde meinem Verein alle Zeit der Welt geben.

Aber ich werde Lewandowski vermissen. Den stoischen Gesichtsausdruck mit dem leicht hängenden Auge, die körperliche Präsenz, Raumgefühl und Zweikampfstärke, seinen Abschluss. Den Mann, der Real vier Stück einschenkte, der sich auf dem Bierdeckel drehen und gegen 90 Kilo Atzen bestehen konnte. Den Mann, den du immer anspielen konntest, ohne dass der Ball im Anschluss durch den 16er flipperte.

Danke und Tschüß. Wirst dich bei uns immer aufm Platz aufwärmen dürfen.

7 thoughts on “Und dann tut es doch weh

  1. Pingback: Pottblog

  2. echt… richtig schöner beitrag!

    die mühen der ebene sind wohl angesagt, aber ich kann nicht verhehlen, dass sich im moment alles ein wenig bedrückend für mich anfühlt.

    im radio war vorhin ein bayerfan zu hören:” lewandowski? schauen wir mal, ob wir ihn brauchen können. hauptsache, weg von dortmund.”
    auch wenn das faktisch richtig oder nachvollziehbar ist… es ist auch arrogant und bestätigt herrlich alle meine vorurteile.

  3. Pingback: Fokus Fussball Ticker + + + 6.Januar 2014 | Fokus Fussball

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