Winter is coming

Es gibt keine Causa Stark. Es gibt einen Status des BVB, der mir nicht gefällt.

Vorneweg sei aber erlaubt (und dass ist ja das Tolle am eigenen Blog, ich muss es mir nur selbst erlauben, also ab dafür) kurz ein “Die Anderen aber auch und im Zweifel immer noch schlimmer” einzuschieben. Man stelle sich einmal kurz vor, es sei 2011 und Philipp Lahm hätte auf der Linie gestanden. Uli Hoeneß wäre kurz vor der Kernschmelze, grantelnd, was ich immer gut vertragen kann. Rummenigge aber würde im Zweifel unter der Gürtellinie austeilen, giftig und rechthaberisch. Und die gesamte Führung würde ihre Buddys in der Presse losschicken, um mal ein Meinungsbild zu formen.

So in etwa: “Eines ist ganz klar: Dass die Schiedsrichter im Zweifelsfall immer gegen Bayern pfeifen”

Boris Rupert hat einen zu Recht sehr schnell wieder offline genommenen Text (bewusst kein Link) veröffentlicht, der schlicht peinlich war. Vielleicht sogar mehr als das. Jedenfalls aber war er weinerlich und voller Versuche, das fussballerische Schicksal des BVB durch eine Schiedsrichter-Verschwörung zu erklären. Auf diesen Text schiessen sich jetzt einige ein. Zu recht, auch wenn ich wünschte er würde von uns BVB Fans angegriffen und nicht von Fans anderer Vereine, bei denen 14 Punkte Vorsprung offensichtlich dazu führen, wieder einmal draufzuhauen. Mag sein, dass beim FCB ein solcher Text nicht erschienen wäre. Was mit einiger Sicherheit aber auch daran liegt, dass dort bis vor kurzem noch BTX für Social Media gehalten wurde. Vor allem aber liegt es daran, dass beim Bayern aufgrund des Fehlens einer gewachsenen und lebendigen Verbindung zwischen Verein und Fans letztere niemals an die Tasten gelassen würden, um auf der offiziellen Homepage etwas zu schreiben. Und Boris Rupert ist vor allem das, ein Fan. Erlaube ich Fans und deren Organisationen Einfluss, mache ich mich angreifbar. Mich würde nicht wundern, wenn Uli H. die angesprochene Veröffentlichung zum Anlass nimmt, darauf hinzuweisen, dass bitteschön beim FC Bayern alles so bleiben müsse wie es ist.

Nach dem Vorklapp die ganz kurze Feststellung: Wir haben das Spiel verloren. Nicht Stark. Die rote Karte hat Momentum zerstört, aber das Toreschiessen hat sie uns nicht verboten. Wir sollten in der Lage sein auch mit 10 Mann läuferisch mitzuhalten und Chancen zu erarbeiten. Es war Wolfsburg. In der zweiten Halbzeit habe ich keine zwingende Aktion gesehen und das nervt mich. Ich mag es nicht, dass wir ein Mittelfeld vom Platz 2 bis 15 haben. Ich mag da oben sein. Und ich will Spiele gegen Wolfsburg gewinnen, immer. Leider ist ein Moritz Leitner noch nicht soweit, um in solchen Spielen jederzeit (oder fast immer) das Richtige zu tun. Da fehlen dann Bender und Kehl doch sehr. Hummels hätte ich dann auch gerne auf der Sechs gesehen, was aber nicht möglich war, hätte dann doch Santana alleine in der Mitte gestanden. Es könnte sein, dass wir ironischerweise mit zu viel fussballerischem und mentalem Elan und Ehrgeiz nach dem Rückstand gespielt haben. Sonst immer ein Pluspunkt, könnte es sein, dass uns in solchen Spielsituationen dieser Wille auf die Füsse fällt und den Blick auf die einfachen Situationen und Lösungen verstellt.

Update:: Das was Helmi im Kommentar sagt. Mehr Souveränität unter Beibehaltung der Club-Identität. Wir sollten uns weder von den Bayern, noch von Schiedsrichtern aus der Ruhe bringen lassen. Wir machen viel, viel richtig.

2 Comments

  1. Ein Punkt um den “euch BVB-Fans” viele Bayern-Anhänger im letzten Jahr oder vielleicht sogar in den letzten beiden Jahren zurecht beneidet haben ist die Souveränität mit der die Borussia und zu einem großen Teil auch seine Fans aufgetreten sind. Understatement, Bälle flach halten, kaum herablassende Kommentare. etc. Daran konnten auch die gelegentlichen Klopp’schen Ausraster nicht wirklich viel ändern. Letztere stehen dieses Jahr etwas mehr im Fokus weshalb er sich am Samstag deutlich sichtbar zurückgehalten hat. Auch sein Interview nach dem Spiel – Hut ab – recht gelassen für seine Verhältnisse. Das wars dann aber auch mit der Souveräntiät. Sowohl von Fans als auch von Verantwortlichen war auf einmal nichts souveränes mehr zu spüren. Natürlich wird so eine Schiedsrichterleistung emotional aufgenommen und dass da auch mal die ein oder andere niveaulose Fanäußerung dabei sein muss – geschenkt. Während die Interviews mit Zorc/Watzke und Co. schon recht unsouverän waren und mit einer realistischen Spielbeurteilung auf einmal wenig zu tun hatten setzte dann dieser Text auf der offiziellen BVB-Website noch einen oben drauf. Wenigstens hat man ihn schnell beseitigt.

    Noch lustiger ist dann aber die plötzliche Reaktion “wenn das mal dem FCB passiert wäre” von einigen Seiten. Wo ist denn da auf einmal die Souveränität hin? Geht die mit der bröckelnden sportlichen Leistung in der Liga auf einmal verloren? Trifft auf Euch auf einmal etwa das zu was sonst ja _nur_ dem FC Bayern passieren könnte? Wenns sportlich auf einmal nicht so gut läuft müssen andere Diskussionen aufgemacht und auf die evtl. Probleme andere Clubs hingewiesen werden? Ich frage mich gerade wie lange es wohl dauern wird bis Schmelzer Kapitän wird und nach dem Spiel ins Mikro sagt “eigentlich waren wir die bessere Mannschaft und hätten gewinnen müssen” 😉

    Kurzform: Come ‘on Stefan, so unsouverän steht Dir/Euch gar nicht. 😉

    Die Buddies in der Presse, die Du beim FCB ansprichst… ich weiß nicht ob es die gibt und noch viel weniger ob es die beim BVB gibt aber das einzige was mich tatsächlich rund um das Spiel gestört hat war die sehr einseitige Stark-Berichterstattung rund um das Spiel. Du hast in Deinem Tweet nach dem Spiel zurecht darauf hingewiesen dass Stark nicht oder zumindest nur zum Teil schuld ist – die Berichterstattung der meisten Medien hat das nicht mal in Erwägung gezogen. Ein Trauerspiel des Sportjournalismus, aber da erzähl ich ja auch nichts neues…

  2. Für mich hat die gesamte Diskussion zwei unterschiedliche Facetten:

    Sportlich:

    Unterm Strich stehen 2 Punkte aus den letzten 3 Spielen. Das ist zu wenig und liegt unter dem Anspruch, den der BVB haben muss. Das Spiel gegen Düsseldorf können wir uns auf die eigene Fahne schreiben, das Spiel gegen Bayern war leistungsgerecht und dann kommt Wolfsburg: 36 Minuten den Gegner zum Schwimmen gebracht und, ja das kann man sagen, nicht das 2:0 gemacht, um den Deckel drauf zu machen. Für alles, was nach der 36. Minute geschehen ist, kann ich meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen.

    And here is why:

    Wolfgang Stark hat mit seinem Wahrnehmungsfehler das Spiel nachhaltig auf den Kopf gestellt. Folgende Dinge sind dadurch passiert: Momentum weg (wir waren kurz vorm 2:0), resultierende taktische Umstellung mit 10 Mann, aufgebrachtes Stadion, total verunsicherter Schiedsrichter, Frust und Wolfsburg bekommt nicht nur die zweite Luft, sondern wir fördern das auch noch aktiv, weil wir jetzt nicht mehr richtig sortiert sind. Jetzt wird der ein oder andere bestimmt sagen: ok, aber wir sind 2x in Folge Deutscher Meister geworden und Wolfsburg musst du auch mit 10 Mann schlagen. Aber ich bin weit davon entfernt in diesem Spiel unter den genannten Umständen meiner Mannschaft das auch nur ansatzweise ankreiden zu können. Dass wir uns nachher das 2:3 gefangen haben, hat auch was mit der Qualität von Diego zu tun und damit, dass Klopp sich entschieden hat, dass wir das Spiel gewinnen wollen und wir deswegen sehr hoch standen.

    Eine wesentlichtliche Auswirkung wird das Spiel für die Zukunft haben: Schmelzer/Stark/Freispruch wird zum Präzedenzfall, weil in der Vergangenheit Spieler auch bei unberechtigten roten Karten gesperrt wurden.

    Medial:

    Eine ganz andere Sache ist, wie die Sache in den Medien/unter den unterschiedlichen Fangruppen in den letzten zwei Tagen diskutiert worden ist.
    Der Reihe nach: Ja, es ist erlaubt, auch in München, sich über Schiedsrichterleistungen aufzuregen und im ersten Frust möglicherweise auch Formulierungen, wie “Vollidiot” zu verwenden, solange diese nicht Überhand nehmen. Wir sind hier nicht in Wattebauschchenhausen und nein, bitte kein Vergleich zu Holland jetzt. Gleichzeitig, und da sind wir mitten in der scheinheiligen Diskussion, finde ich Fans anderer Vereine, die meinen dann den Moralapostel zu spielen (vgl. Twitterdiskussion Sonntag zwischen Stefan und Teilen der Bayernanhängerschaft) genauso daneben. Ein bisschen Demut, liebe Bayern. Das gilt übrigens auch für den Herrn Gunnar Jans aka @breisacher vom Münchener Abendblatt und seinem populistischen Kommentar, der uns alle überhaupt nicht weiterbringt. Herr Jans: Pöhler-Kappe absetzen bitte.
    Und dann war da noch Boris Rupert, der meiner Meinung nach betrunken gewesen sein muss gestern Abend. Wie kann man so einen Artikel auf die offizelle Homepage des BVB stellen? Das war peinlich und ich selber habe mich in diesem Moment geschämt und war froh als der Artikel, der die Fehlbarkeiten von Wolfgang Stark in aller Ausführlichkeit beschreibt, wieder verschwunden war.

    Was bleibt?
    – Es ist am DFB/DFL/FIFA zu erkennen, dass die Leistungen von Wolfgang Stark nicht gut sind und entsprechend Konsequenzen zu ziehen.
    – Wolfgang Stark wird wohlmöglich nie wieder ein Spiel mit BVB-Beteiligung pfeifen, worüber ich mit Sicherheit nicht meckern werde.
    – Wir haben 14 Punkte Rückstand auf Bayern und das haben wir uns selber zuzuschreiben.
    – Künftige unberechtigte rote Karten werden wohl nicht mehr zu Sperren führen, Danke Wolfgang dafür.
    – Fußball ist emotional auf und neben dem Platz und das macht es aus.

    In diesem Sinne.

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