BVB, Fussball

The other Jürgen K.

Liebe Gegner und liebe Anhänger von Gegnern, ihr müsst euch schon entscheiden: findet ihr den BVB scheisse, der immer tiefstapelt und insbesondere in der Person von Klopp eloquent und meist charmant (ihr nennt es wie, arrogant?) Interviews nach dem Spiel gibt, oder doch den BVB mit einem Rage-Klopp wie jetzt gegen Hannover?

Nicht dass es mich gross interessieren würde, weil mir Äußerungen und Angriffe von Dritten relativ egal sind. Dafür liebe ich das Spiel zu sehr und die ewig gleichen Rituale drumherum zu wenig, vor allem aber beschäftige ich mich mit meinem Verein und nicht mit den Strukturen und Präsidenten anderer Vereine. Letzteres vor allem deshalb nicht, weil ich nur meinen Verein gut genug kenne, um mehr über ihn zu sagen. Bei anderen Clubs kann doch allenfalls ein Bild des Vereins wiedergegeben werden, das aus SZ und 11 Freunden im besten (dann ist es ein Ausschnitt der Realität) oder BILD und Express (dann ist es im Zweifel eine diffamierende Lügengeschichte mit hidden agenda) im schlechtesten Fall zusammengestellt wurde.

Ich kann mit Fans anderer Teams sprechen und diese Gespräche sind durch nichts zu ersetzen. Nirgendwo sonst erhalte ich einen solchen Einblick in die Mechanismen und das Seelenleben eines Clubs und nirgendwo sonst bekomme ich Zusammenhänge so gut erklärt. Und wegen dieser Gespräche und aus Respekt vor der Zuneigung zu einem Verein werde ich nie verstehen, wie man sich hämisch oder abwertend über einen Konkurrenten äußern kann. Ich wüsste im Übrigen auch gar nicht, wo ich die Zeit und Energie dafür hernehmen sollte, ich habe genug damit zu tun, mich abwertend über meinen eigenen Club zu äußern.

Und jetzt kriege ich doch noch irgendwie die Kurve zu Rage-Klopp. An seiner Vorstellung nach dem Hannover Spiel finde ich nämlich nichts auszusetzen. Er war angepisst. Ja und? Ich auch, verdammte Scheisse.

Aus einer Woche, in der wir das Spiel gegen den englischen Meister dominiert haben und gegen Hannover den Sack in der ersten Halbzeit hätten zumachen können und müssen, ist eine Woche geworden mit 2 aus 6 und einem Haufen wichtiger Spieler, die langfristig verletzt sind. Und dann die beiden Elfmeterentscheidungen, die ich nicht inhaltlich diskutieren, sondern nur in ihrer Wirkung auf Trainer (und Fan) richtig eingeschätzt wissen möchte. Wenn man beim englischen Meister bis einige Minuten vor Schluss führt, dann ist so eine Entscheidung ein Schlag mit dem Paddel ins Gesicht, auch wenn wir ansonsten in Manchester eine tollen Eindruck hinterlassen haben (aufm Platz und wir als Support). Hannover hat auch eine Geschichte aus der letzten Saison, als wir da durch zwei sehr späte Tore verloren haben. Dann fängst du in einem der schwierigsten Auswärtsspiele der Saison (viele werden nämlich in Hannover nicht mehr punkten) ein spätes Gegentor (und hast drölfzig Chancen in der ersten Halbzeit nicht genutzt), nachdem dir vorher in Blaszczykowski und Hummels zwei ganz entscheidende Spieler weggebrochen sind. Bender muss raus und Kehl aufm Platz genäht werden.

In so einer Situation kommen die Journalisten mit ihren kreuzdummen Fragen nach dem Spiel. Wie reagiert man dann? Offensichtlich hat Klopp hier in der Vergangenheit ein dermassen blendendes Bild abgegeben, dass jetzt drei Sätze, die weniger geeignet waren, Liebe für den BVB zu entfachen, ausreichen, um auf ihn zu zeigen und das ganze Standardprogramm abzuspielen (mit Alliteration! Und die kann keiner so kernig wie der Kicker): Klopp-Krise!

Verbunden mit der Aufforderung, der Trainer solle doch mal einen souveräneren Eindruck hinterlassen. “Mach dich mal locker Kloppo!”

Nee, Alter, mach mal nicht. Bleib sauer.

Wir haben nämlich jetzt entscheidende Spiele vor der Nase. Real und Derby. Da sollten wir schon was zeigen. Und ein bisschen Messer zwischen den Zähnen brauchst du da.

Standard

5 thoughts on “The other Jürgen K.

  1. Erster Teil: Ach wie sehr du mir aus der Seele sprichst mit diesem Hämeding und all dem Mist. Geht mir ähnlich mit Pauschalhass gegen $club.

    Zweiter Teil: Ich mag den Klopp ja. Ich denke zwar auch, dass man in dem Geschäft Profi genug sein sollte um solche Auftritte zu vermeiden. Er muß sich gar nicht komplett verbiegen und darf auch sauer sein, aber nicht zwingend gegen jemanden der nichts dafür kann (Interviewer) und der in diesem Fall weder dafür bekannt ist besonders blöde Fragen zu stellen (Jan Henkel) noch sie in diesem Fall besonders blöd gestellt hat. Ich glaub aber das weiss Kloppo auch – er ist nur einfach komplett unbeherrscht und ich finde man kann ihm das vorwerfen so sehr Emotionalität und “gerade raus” zu befürworten. Hat halt irgendwie alles seine Grenzen und für mein Empfinden enden die bei “den vierten Mann in den Hals beissen” und Report anschnauzen – bzw. ein Stück davor.

  2. Jan Blurr says:

    Sehe das bei Klopp anders. Wenn er sich so in die Öffentlichkeit stellt, mit all seinen Sprüchen, etc, dann muß er eben auch mit (gefühlten) Niederlagen klarkommen. Unter dem Gesichtspunkt war der Auftritt am Sonntag eher peinlich. Das sah so aus, als ob er die Medien gern hat, wenn’s läuft, und eben nicht, wenn’s nicht läuft.

    Allerdings, und da bin ich anderer Meinung als Helmi, gibt es keine intelligenten Fragesteller im deutschen Sportfernsehn. Schon gar nicht den Henkel. Hat er bei seinem Interview nach dem CL Finale zur Genüge unter Beweis gestellt. Das Klopp den Kerlen an die Gurgel will, kann ich durchaus nachvollziehen.

  3. Pingback: Die Blog- & Presseschau für Dienstag, den 09.10.2012 | Fokus Fussball

  4. Mahqz says:

    Hmm, vermutlich bin ich da im Fußball (Sport) ziemlich alleine, aber mir sind Personen, die ihre Emotionen nicht weitestgehend unter Kontrolle haben ziemlich suspekt. Und da ist Klopp bei mir ganz vorne mit dabei, eben weil er sie zu vielen Zeitpunkten überhaupt nicht unter Kontrolle hat.

    • Stefan says:

      Mir geht es da genau umgekehrt. Leute, die ihre Emotionen immer unter Kontrolle haben (oder glauben zu haben) sind mir suspekt. Sie explodieren dann irgendwann in einem Riesenknall oder implodieren leise, ohne dass es einer mitbekommt.

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