Bilbo hat angerufen, er will seine Plattensammlung zurück.

Dies hier soll der erste Teil einer losen Serie werden, in der kurz epochale musikalische Missgriffe vorgestellt wurden. Platten, die ich gekauft, ein halbes Jahr gehört und dann verschwiegen habe.

Ganz bewusst nicht Fehlkäufe, die schon beim ersten Durchlauf zum Hörsturz führten (Kostproben dieser Kategorie? 3 Doors Down, Warrior Soul, Ratt, sowas halt), sondern Platten die für ganz gross erachtet wurden, bis einen Jahre später der Schlag trifft.

So ein Album ist Imaginations from the other Side von Blind Guardian, veröffentlicht 1995. Hier der Titelsong:

Vielleicht muss man ein bisschen ausholen für Leute, die nicht Metal sozialisiert sind. Hansi (Merke: nur mit Diminuitiv ist man richtig Metal) Kürsch und seine Band spielen Power Metal teutonischer Prägung (auch: Symphonic Power Metal). Das haben in den 80ern und 90ern hier hunderttausende und weltweit Millionen gehört. Heute nicht mehr. Heute gibt es dafür Reservate: Japan, Russland und Griechenland. Das Genre ist gekennzeichnet durch hohes Tempo, doppelläufige Gitarren, hymnenhaften Gesang (nie Gebrülle oder Shouts), Double-Bass Einsatz.

So weit, so ok. Aber dann kommen Blind Guardian in all ihrer Bardigkeit. Mann muss nicht weiterlesen, sondern einfach Song Nr. 3 von diesem Album hören:

Unfassbar, oder? Männer aus Bottrop, Meerbusch und Oer-Erkenschwick tun so, als stünden sie an Helms Klamm und unter ihnen die Orks. Um sich Mut zu machen, singen sie Geschichten aus alten Zeiten und klimpern dazu auf ihren ESP Gitarren volkstümliche Weisen und dass, was sie für Mittelalter Sound halten. Das ganze von Flemming “Master of Puppets” Rasmussen amtlich produziert. Es ist so unglaublich wurstig, so eskapistisch und so föhnfrisiert. Die Chöre im Hintergrund machen mich fertig. Aaaaahaaaaa, Uuuhuuuuuu und dann so im Falsett HAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!

Und die Texte? Das sind echte Emotionen! Da kann man auch als ganzer Kerl mal weinen und ins nachtschwarz gebatikte Taschentuch schnäuzen. Dazu grandioser Stuss wie “Where’s the occean’s daughter. Was Peter Pan in Mordor? No one’s there to keep alive all these fairy tales”. Zeitlos.

Zusammenfassend kann also festgehalten werden: Hammerscheibe.

1 Comment

  1. Also ich weiß ja nicht wo du warst, aber als ich das letzte Mal in Wacken war hat Blind Guardian noch ganz gut die Stage gefüllt.

    Das letzte Blind Guardian Album war immerhin Platz 2 der deutschen Charts. Also von wegen das hört keiner mehr!

    Und zu dem Album kann ich nur sagen, dass es sicherlich nicht das beste Album von Blind Guardian war, aber auch nicht das schlechteste. Nur mh… wenn ich mir diese Rezension durchlese dann möchte ich doch wissen, was von von LARP hälst. Oh und natürlich in dem Zusammenhang von Männern, die sich als Elfen verkleiden 😉

    Lg
    Alagos

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