Politik, Rant

F√ľr mehr Roth.

Ich muss mal wieder zu den Waffen greifen. Und dieses Fussball und Zeugs Blog zweckentfremden, um ein paar Zeilen lang meinen Unmut loszuwerden.

Ich ertrage es nicht, welche K√ľbel H√§me und Spott (nat√ľrlich immer untermalt von sexistischen Untert√∂nen) √ľber Claudia Roth ausgekippt werden. Nicht nur von Parteifreunden (Hier wird immer gelten: Feind, Todfeind, Parteifreund), sondern von Aussenstehenden.

Von Leuten, deren letzte dezidiert politische Handlung die Wahl des Sch√ľlersprechers in der hessischen oder ost-westf√§lischen Provinz war. Oder von stromliniengeformten, von jedem Charisma befreiten Karrierepolitikiern (oder solchen, die sich dazu berufen f√ľhlen), die als Ausdruck der Revolte mit 15 in die JU eingetreten sind.

Ja, Claudia Roth kann nerven, ihre Penetranz und Stimmlage schwer ertr√§glich sein. Aber wie abgebr√ľht muss man sein, um sich √ľber Claudia Roth mit einer missionarischen Inbrunst aufzuregen, aber – es folgt ein beliebiges Beispiel – sich nicht vernehmilich in der √Ėffentlichkeit zu der Tatsache zu √§u√üern, dass an der Aussengrenze der EU die Leute zu Hunderten elendig ersaufen? Ich jedenfalls habe nicht wahrgenommen, dass die letztere Tatsache √§hnliche Emotionen hervorruft.

Was also ist an Claudia Roth so schlimm? Will man eventuell auf Mi√üst√§nde und Vers√§umnisse, auf das Wegsehen und Ignorieren gar nicht hingewiesen werden? Nach dem Motto: wir k√∂nnen uns leider jetzt nicht um Asylanten k√ľmmern (unterschwellig: was wollen die ganzen Leute hier?), wir m√ľssen den Euro retten. F√ľr moralische und ethische Leitlinien ist jetzt kein Platz. Wir k√∂nnen jetzt, leider, leider nichts machen, aber hier sind 50 Cent, kaufst du dir ne Schokolade von.

Ich krieg nen Hals, wenn man mitleidig seufzt und ausf√ľhrt, diese Flowerpower Tante habe nicht verstanden, wie die Welt wirklich tickt. Mag sein. Schon mal daran gedacht, dass es vielleicht gerade darum geht , bestimmte Wirkmechanismen zu durchbrechen? Durchgeknallter Finanzkapitalismus anyone? Hallo Arschkrampen, hallo Junta Chefs, hallo religi√∂se Fanatiker, ich werde immer gegen eine Welt opponieren, die so tickt, wie ihr es euch w√ľnscht. Und habe gerne eine Claudia Roth an meiner Seite. Auch wenn das bedeutet, dass man auf der Seite, wo sie neben einem steht Ohrenst√∂psel braucht.

Ich kann nur hoffen, dass die ganzen Roth-Ver√§chter im Stillen an Jack Nicholson in Eine Frage der Ehre erinnert werden. Und eigentlich wollen, dass Claudia Roth da auf dieser Mauer steht und den Code Roth ausl√∂st. Sie sollten dann aber die Fresse halten und den Euro retten, Bahnlinien planen, Steuergesetzgebung betreiben oder was anderes realpolitisches und sich jedes Kommentars enthalten, wenn solche Menschen nerven, die aufschreien, wenn anderen Menschen Leid zugef√ľgt wird.

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BVB, Fussball

Wohin willst du gehn?

Sag mal, Lieblingsclub, was soll das eigentlich? Unterh√§lst mich k√∂niglich gegen ManCity, l√§sst mich aufspringen, schreiend vor Begeisterung gegen Real um mich dann abschliessend, leise l√§chelnd gegen – erneut – Real zur√ľckzulassen. Ich weiss es wirklich zu sch√§tzen, was du international an Energie, Konzentration und Willen auf den Platz bringst. Denn die Vorstellung letzte Saison war so unglaublich peinlich, dass ich ohne rot zu werden deine Auftritte nicht verteidigen konnte. Was habe ich nicht f√ľr Ausreden gefunden. Will aber keine mehr suchen.

Ich habe allerdings nun die klitzekleine Bef√ľrchtung, dass du international etwas zu hell brennst, um dann noch in der Liga genug Fussball auf den Platz zu bringen, um auch Spiele gegen den VfB und H96 gewinnen zu k√∂nnen. Oder gegen den HSV.

Nicht dass wir uns falsch verstehen, du musst nicht nach ganz vorne. Nat√ľrlich ist second place first looser, aber ich m√∂chte einfach nicht, dass du diese Philosophie nach aussen tr√§gst. √úberlass es den Roten, die k√∂nnen das und denen steht es auch. Mag man es Ruhrpottklischee nennen (ich nenne es Understatement und Respekt), aber arbeiten und dann was erreichen, hat was. Ein “Da geh√∂ren wir hin” und “Das haben wir uns verdient” ist immer schauderhaft. Dabei st√∂re ich mich nicht an der breiten Brust, die durch den kleinen Stick im Nacken verk√∂rpert wird. Diese eine Seite von “Mia san Mia”, die den Gegner ein bisschen √§ngstlich gucken l√§sst, die ist geil. Die andere, √ľberhebliche ist es nicht.

Du darfst nur nicht langweilen, musst wollen und dich konzentrieren. Darum war die erste H√§lfte in Madrid auch so toll, so konsequentes Raufgehen auf die wirklich gef√§hrlichen Aussenspieler; habe ich gerne gesehen. Es ist unglaublich schwierig zu koordinieren, jeweils die eine Sechs zur Unterst√ľtzung der AVs nach aussen zu nehmen und ich war beeindruckt, wie das geklappt hat. In der zweiten Halbzeit dann nicht mehr. Mourinho hat brutal und richtig reagiert in der Pause. Ich mag Trainer die sehen, dass ein Plan nicht funktioniert und dann reagieren.

Und dass er uns zum Mitfavoriten erkl√§rt hat? Soll ich sagen dass ich das Scheisse finde? Nat√ľrlich nicht. Und dass Alex Fergusson gleich mit auf den Wagen springt? Ja, bitte. Ich will das Lob h√∂ren, ich will ernst genommen werden. Ich will, dass ein Gegner denkt, Mist die Borussen, dieses Los wollten wir vermeiden.

Ich m√∂chte eben nicht, dass Augsburg denkt, ja passt schon, gegen die Borussen k√∂nnen wir einen Punkt holen. Also bitte soviel Konzentration, dass wir S04, Bayer und die SGE hinter uns lassen. Soviel Ernsthaftigkeit dann doch bitte f√ľr die Liga.

Vor diesem Hintergrund: gerne zweistellig gegen Augsburg heute.

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