BVB, Fussball

Ich kenne kein Alesia!

Hier war ein bisschen Pause. Zum Einen wegen der Länderspielunterbrechung, die mich königlich amüsiert hat. Ich bin und bleibe halt eher so der Typ Vereinsanhänger. Und vielleicht Fussballanhänger. Auf jeden Fall aber in dieser Reihenfolge.

Nationalmannschaft ist kein Konzept mehr, was mich überzeugt. Für einen Ländervergleich Bayern gegen NRW oder Berlin, dafür wäre ich sofort zu haben. Ohne regionalen Bezug fehlt mir irgendwas. Und ausserdem sind da zu viele Spieler von ganz falschen Vereinen.

Dann war ich ja auch noch in Athen zum Amüsemeng. Ganz toller Kurztrip, der auch Fussball im Stadion umfasste. Und zwar das Granatenduell von Olympiacos Piräus gegen Skoda Xanthi. Ein völlig humorloses 4:0 gegen einen Gegner auf Regionalliga Niveau. Ein paar Dinge seien da noch erwähnt zu.

1. Bürotechnik

2. Knabbertechnik

Darauf stehen sie unglaublich, die Ultras vom Gate 7. Bürotechnik und Sonnenblumenkerne. Da können wir noch lernen. Unsere Ultras hauen dann ja doch nur einen Plastikstuhl kaputt, wenn es heisst, eine Gaststätte sei dem Erdboden gleich gemacht worden.

Kommen wir zum eigentlichen Drama (die Geschichte mit den Zähnen und dem Schmerz erzähle ich ein anderes Mal). Auch nach nochmaliger Sichtung unseres Spiels gegen Schalke bin ich einigermassen ratlos. Zur Dreierkette an sich und dem Gestolper der ersten 30 Minuten ist schon alles geschtrieben worden, nur noch nicht von jedem. Ich nehme mir nur Klopp noch einmal vor. Und dabei weniger das Argument, dass er der Gott gewesen wäre, hätte die Dreier-Kette funktioniert. Hätte, hätte Fahrradkette. Ich finde es mit 48 Stunden Abstand dann doch vielmehr eigentlich geil, dass er im emotional wichtigsten Spiel der Saison die Eier hat und eine grundlegende Systemänderung vornimmt. Andererseits ist anscheinend in Kirch und Löwe überhaupt kein Vertrauen vorhanden, wenn man auch nach Systemumstellung dann den 1:1 Ersatz für Schmelzer nicht bringt (der übrigens der maximale Gewinner ist, wo er weder gegen Schweden, noch gegen den S04 gespielt hat). Normalerweise halte ich eine Menge vom In-Game-Coaching von Klopp, aber hier gegen Schalke war wohl der Bruch und die Unsicherheit nach den ersten 30 Minuten so gross, dass kein Justieren mehr half. Ein 3-5-2 war also ein völlig verunglückter Versuch, der nicht mehr zu korrigieren war. Aber mit Eiern! Überrascht war ich davon, wie clever S04 die Konter gesetzt hat. Aber wie sind halt auch wie die Hühnchen übern Platz gelaufen.

Und dann mein ceterum censeo…. Was macht eigentlich Kevin? Oder war das jetzige schon immer eher sein Niveau und er hat nur deutlich drüber gespielt? Ich möchte nicht ausschließen, dass ich hier zuneigungsbedingt an partieller Blindheit leide.

Die Saison droht also schwierig zu werden, was ich aber akzeptieren kann. Absteigen werden wir wohl eher nicht und dann machen die ersten drei Plätze halt der FCB, S04 und wir unter uns aus. Solange Schalke Dritter wird, ein Topergebnis. Denn diese fünf Punkte nerven. Da muss bitte noch was gehen.

Abschliessend: Ich gratuliere ich hier keinem zum Meistertitel. Dem FCB und dem S04 schon mal gar nicht. Den Leuten, die ich gut leiden kann und die wegen unglücklicher Umstände Anhänger dieser Vereine wurden, denen gratuliere ich dann schon aufrichtig wenn unsere letzte Patrone verschossen ist und rechnerisch gar nichts mehr möglich ist. Aber erst dann.

Bis dahin muss ich im Bewusstsein der Tatsache, dass ich die letzten beiden Saisons vor Lachen auf dem Boden lag, wenn es um diese beiden ging, wohl noch den einen oder anderen Spruch fangen. Passt schon. Ich erinnere mich dann an zwei tiefe, tiefe Löcher: vier Minuten im Mai 2001 (für die Blauen) und den 19. Mai (für die Roten). Soviel lustige Sprüche kann man gar nicht raushauen, um diese Löcher zu füllen. Ich fühle mich dann begeistert böser als Lee van Cleef und lehne mich zurück.

Und denke an den 25. Mai 2013 in London. Wenn wir gegen Barca spielen werden.

Update: Łukasz Piszczek hat bis 2017 verlängert. Gute Nachricht.

Und dann noch Musik:

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BVB, Fussball

The other Jürgen K.

Liebe Gegner und liebe Anhänger von Gegnern, ihr müsst euch schon entscheiden: findet ihr den BVB scheisse, der immer tiefstapelt und insbesondere in der Person von Klopp eloquent und meist charmant (ihr nennt es wie, arrogant?) Interviews nach dem Spiel gibt, oder doch den BVB mit einem Rage-Klopp wie jetzt gegen Hannover?

Nicht dass es mich gross interessieren würde, weil mir Äußerungen und Angriffe von Dritten relativ egal sind. Dafür liebe ich das Spiel zu sehr und die ewig gleichen Rituale drumherum zu wenig, vor allem aber beschäftige ich mich mit meinem Verein und nicht mit den Strukturen und Präsidenten anderer Vereine. Letzteres vor allem deshalb nicht, weil ich nur meinen Verein gut genug kenne, um mehr über ihn zu sagen. Bei anderen Clubs kann doch allenfalls ein Bild des Vereins wiedergegeben werden, das aus SZ und 11 Freunden im besten (dann ist es ein Ausschnitt der Realität) oder BILD und Express (dann ist es im Zweifel eine diffamierende Lügengeschichte mit hidden agenda) im schlechtesten Fall zusammengestellt wurde.

Ich kann mit Fans anderer Teams sprechen und diese Gespräche sind durch nichts zu ersetzen. Nirgendwo sonst erhalte ich einen solchen Einblick in die Mechanismen und das Seelenleben eines Clubs und nirgendwo sonst bekomme ich Zusammenhänge so gut erklärt. Und wegen dieser Gespräche und aus Respekt vor der Zuneigung zu einem Verein werde ich nie verstehen, wie man sich hämisch oder abwertend über einen Konkurrenten äußern kann. Ich wüsste im Übrigen auch gar nicht, wo ich die Zeit und Energie dafür hernehmen sollte, ich habe genug damit zu tun, mich abwertend über meinen eigenen Club zu äußern.

Und jetzt kriege ich doch noch irgendwie die Kurve zu Rage-Klopp. An seiner Vorstellung nach dem Hannover Spiel finde ich nämlich nichts auszusetzen. Er war angepisst. Ja und? Ich auch, verdammte Scheisse.

Aus einer Woche, in der wir das Spiel gegen den englischen Meister dominiert haben und gegen Hannover den Sack in der ersten Halbzeit hätten zumachen können und müssen, ist eine Woche geworden mit 2 aus 6 und einem Haufen wichtiger Spieler, die langfristig verletzt sind. Und dann die beiden Elfmeterentscheidungen, die ich nicht inhaltlich diskutieren, sondern nur in ihrer Wirkung auf Trainer (und Fan) richtig eingeschätzt wissen möchte. Wenn man beim englischen Meister bis einige Minuten vor Schluss führt, dann ist so eine Entscheidung ein Schlag mit dem Paddel ins Gesicht, auch wenn wir ansonsten in Manchester eine tollen Eindruck hinterlassen haben (aufm Platz und wir als Support). Hannover hat auch eine Geschichte aus der letzten Saison, als wir da durch zwei sehr späte Tore verloren haben. Dann fängst du in einem der schwierigsten Auswärtsspiele der Saison (viele werden nämlich in Hannover nicht mehr punkten) ein spätes Gegentor (und hast drölfzig Chancen in der ersten Halbzeit nicht genutzt), nachdem dir vorher in Blaszczykowski und Hummels zwei ganz entscheidende Spieler weggebrochen sind. Bender muss raus und Kehl aufm Platz genäht werden.

In so einer Situation kommen die Journalisten mit ihren kreuzdummen Fragen nach dem Spiel. Wie reagiert man dann? Offensichtlich hat Klopp hier in der Vergangenheit ein dermassen blendendes Bild abgegeben, dass jetzt drei Sätze, die weniger geeignet waren, Liebe für den BVB zu entfachen, ausreichen, um auf ihn zu zeigen und das ganze Standardprogramm abzuspielen (mit Alliteration! Und die kann keiner so kernig wie der Kicker): Klopp-Krise!

Verbunden mit der Aufforderung, der Trainer solle doch mal einen souveräneren Eindruck hinterlassen. “Mach dich mal locker Kloppo!”

Nee, Alter, mach mal nicht. Bleib sauer.

Wir haben nämlich jetzt entscheidende Spiele vor der Nase. Real und Derby. Da sollten wir schon was zeigen. Und ein bisschen Messer zwischen den Zähnen brauchst du da.

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Musik

Bilbo hat angerufen, er will seine Plattensammlung zurück.

Dies hier soll der erste Teil einer losen Serie werden, in der kurz epochale musikalische Missgriffe vorgestellt wurden. Platten, die ich gekauft, ein halbes Jahr gehört und dann verschwiegen habe.

Ganz bewusst nicht Fehlkäufe, die schon beim ersten Durchlauf zum Hörsturz führten (Kostproben dieser Kategorie? 3 Doors Down, Warrior Soul, Ratt, sowas halt), sondern Platten die für ganz gross erachtet wurden, bis einen Jahre später der Schlag trifft.

So ein Album ist Imaginations from the other Side von Blind Guardian, veröffentlicht 1995. Hier der Titelsong:

Vielleicht muss man ein bisschen ausholen für Leute, die nicht Metal sozialisiert sind. Hansi (Merke: nur mit Diminuitiv ist man richtig Metal) Kürsch und seine Band spielen Power Metal teutonischer Prägung (auch: Symphonic Power Metal). Das haben in den 80ern und 90ern hier hunderttausende und weltweit Millionen gehört. Heute nicht mehr. Heute gibt es dafür Reservate: Japan, Russland und Griechenland. Das Genre ist gekennzeichnet durch hohes Tempo, doppelläufige Gitarren, hymnenhaften Gesang (nie Gebrülle oder Shouts), Double-Bass Einsatz.

So weit, so ok. Aber dann kommen Blind Guardian in all ihrer Bardigkeit. Mann muss nicht weiterlesen, sondern einfach Song Nr. 3 von diesem Album hören:

Unfassbar, oder? Männer aus Bottrop, Meerbusch und Oer-Erkenschwick tun so, als stünden sie an Helms Klamm und unter ihnen die Orks. Um sich Mut zu machen, singen sie Geschichten aus alten Zeiten und klimpern dazu auf ihren ESP Gitarren volkstümliche Weisen und dass, was sie für Mittelalter Sound halten. Das ganze von Flemming “Master of Puppets” Rasmussen amtlich produziert. Es ist so unglaublich wurstig, so eskapistisch und so föhnfrisiert. Die Chöre im Hintergrund machen mich fertig. Aaaaahaaaaa, Uuuhuuuuuu und dann so im Falsett HAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!

Und die Texte? Das sind echte Emotionen! Da kann man auch als ganzer Kerl mal weinen und ins nachtschwarz gebatikte Taschentuch schnäuzen. Dazu grandioser Stuss wie “Where’s the occean’s daughter. Was Peter Pan in Mordor? No one’s there to keep alive all these fairy tales”. Zeitlos.

Zusammenfassend kann also festgehalten werden: Hammerscheibe.

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Musik

Ballou, der Bär.

Heute kein Fussball. Wie ich Manchester aufbereite, weiss ich noch nicht, daher heute nur auffe Zwölf mit Converge.

Converge sind laut. Und sie wissen nach über 20 Jahren einfach was sie tun und was sie wollen. Sie haben heute wahrscheinlich eines der Alben des Jahres veröffentlicht, von dem es die Single im Stream gibt:

Aimless Arrow

Gestern gab es den offiziellen Epitaph Stream mit dem gesamten Album auch noch bei Youtube. Dann kam die Gema. Man kann natürlich Gegenmaßnahmen einleiten. Egal wo, hört es euch an. Ich habe gestern einen Durchgang im Stream geschafft und heute anderthalb Durchgänge auf dem Weg zur Arbeit. Es ist umwerfend, natürlich technisch perfekt gespielt und doch Lichtjahre von den Musik-Für-Musiker Sphären von etwa Dream Theater entfernt. Jede polyrhytmische Feinheit hat ihren Zweck und sitzt am richtigen Ort. Ich bin auch froh, dass Jacob Bannon shouted und nicht wie die Labelmates von Every Time I Die Gesangsparts einstreut, die völlig deplatziert nach Bon Jovi Rock klingen. Stay angry!

Natürlich ist die Musik anstrengend, dass soll sie ja sein. Adele hat übrigens auch einen wunderschönen neuen Bond-Song gesungen, wenn ihr das mehr mögt. Ich fühle mich gerade mehr nach gelegentlichen blast-beats und nach runtergestimmten Gitarren. Mir ist nicht klar, wohin Kurt Balllou die Gitarre stimmt, da war ich nie, aber es klingt. Die ganze Band spielt aus einem Guss, nur der Drum-Sound, insbesondere die Snare da könnten sie noch eine Spitze setzen. Für mich wäre es mit höherer und trockenerer Snare noch pointierter.

Insgesamt ein Album zum böse Gucken. Mag ich.

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BVB, Fussball

To Madchester with love

Das wiederum war jetzt ein gutes Wochenende, einen der ältesten Freunde aus Berlin getroffen und vorher, nachdem der restliche Samstag mit Kindergedöns draufging, das hier:

London 0 Hull 4 BVB 5 BMG 0

Ich war bei Spielbeginn skeptisch, setzte Klopp doch wieder auf eine sehr offensive Dreierreihe. Die aber erstmals tatsächlich überzeugte. Mit Kevin allerdings muss wirklich was sein, so wie der rumgestolpert ist nach seiner Einwechslung, kennt man nicht von ihm. Ich möchte auch nicht Reus herausheben, der schon hinreichend als überragend beschrieben wurde. Sicher, schöne bis überragende Tore, aber nach wie vor wirkt er minutenlang wie ein Fremdkörper im Team, was völig normal ist nach einem Wechsel, erstaunlicherweise aber übersehen wird, wenn er Tore macht. Kickernoten ftw!

Von mir wieder eine tiefe Verbeugung vor Kuba. Geht es nur mir so, oder sieht der sogar inzwischen gefährlicher aus? Frisur, Athletik, bin mir unsicher ob es objektiv stimmt, subjektiv sieht er aber gefährlich aus. Ich mag gefährlich.

Hummels auf der Sechs wird nicht öfter passieren, darf aber in einem Spiel, ohne dass die Ordnung zerbricht. Unsere Bank könnte wieder ein entscheidender Faktor werden, sehe ich doch nur uns und die Bayern mit der Möglichkeit, 5 bis 6 Positionen fast ohne Einbussen zu wechseln. Aber Tele, Tele muss mehr spielen. Er wird sonst unglücklich und irgendwas (ausser Geld) müssen wir ihm doch versprochen haben, damit er bleibt.

Insgesamt war das Spiel genau das Statement, was ich haben wollte. Nach dem 3:0 nicht Schluss machen, sondern weiter. Das ist der Fussball, den ich sehen möchte. Wenn dann dieses bescheuerte “Ich jubel nicht gegen den Ex-Verein” noch abgestellt wird, dann bin ich auf dem Weg zum Glück.

Wochenplanung:

Morgen Refused:

Dienstag LH 2500 nach Manchester, hier das Originalfoto:

Mittwoch LH 2501 nach München und Noel schreibt wieder Songs für Liam, um ihn zu trösten.

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