BVB, Fussball

Spieler

Ich musste noch nie eine Bombe explodieren sehen und ich kenne nur einen Menschen, der das musste. Und dessen Eindrücke, Traumata und Schmerz reichen mir eigentlich fürs Leben. Ich mag daher kein Urteil darüber abgeben, wie man sich richtig verhält oder angemessen oder wie man den Prozess der Verarbeitung optimal umsetzt. Es kann daher auch durchaus sein, dass es den Betroffenen hilft, ein Fußballspiel zu spielen keine 24h nachdem mit Metallstiften gefüllte Bomben neben einem explodiert sind und man vielleicht nicht in der Nacht, so doch aber sicher im Laufe des Tages realisiert hat, dass die Bomben ein direkter Angriff auf das eigene Leben waren. Es kann sein, dass die Beklemmung erst langsam in einen hineinkriecht und die Angst kommt und man die Angst der Liebsten erst dann realisiert.

Ich weiß daher wirklich nicht, ob man gestern hätte spielen sollen. Die Spieler – und nur diese als direkte Opfer interessieren mich hier – gaben durchweg zu erkennen, sie hätten gerne noch ein wenig mehr Zeit gehabt. War es unmöglich, ihnen diese einzuräumen? Man stelle sich die schlimmste berufliche Drucksituation vor, in der man jemals gewesen ist, denke sich zeitlichen Druck hinzu und reichlich andere Parteien, die mitreden, mitbestimmen wollen, Ratschläge erteilen und man ist wohl noch nicht einmal ansatzweise in der Nähe der Krisen- und Drucksituation in der sich die Vereinsverantwortlichen befanden. Eine Absage am 11.04. war klar und unumstritten, aber wie reagiere ich auf die Anfrage der UEFA, ob man morgen spielen könne? Man kann es herunterbrechen auf die eine einzige Frage “Was ist richtig für meine Spieler?”, aber weder Watzke noch Rauball können ausschließlich in diesen Kategorien denken. Es gilt finanzielle Zwänge, Sicherheitsbedenken, Verhältnis zur UEFA etc in die Abwägung einfließen zu lassen. Und die Entscheidung nimmt ihnen auch keiner ab. Sie sind die Vereinsführung und sie haben zu entscheiden.

Gleichwohl irritiert nachhaltig, dass jedenfalls nach der Aussage Tuchels, Trainer und Spieler zu keinem Zeitpunkt gefragt wurden. Die empathischere Vorgehensweise wäre sicherlich gewesen, persönlich die Mannschaft aufzusuchen und ein Meinungsbild einzuholen. Aber wenn ich mich nicht komplett täusche, ist Watzke eine solche Nähe eher fremd.

Ich kann mir auch schlechterdings nicht vorstellen, dass auch nur ein Verein für ein solches Szenario ein Prozeßhandbuch ausgearbeitet hat, das man dann Punkt für Punkt abarbeitet. Insgesamt musste hier auf fragiler Tatsachenbasis innerhalb kürzester Zeit eine Entscheidung getroffen werden und die Vereinsführung kam zu dem Ergebnis, es sei richtig, Mittwoch zu spielen. Hätte es überhaupt ohne Auswirkung auf den Spielplan nationaler Verbände einen Ausweichtermin gegeben? Wie hätte man etwa etwa innerhalb eines Tages die deutschen Pokalhalbfinalisten bewegen sollen, einer Verschiebung zuzustimmen? Und ein Eingriff in den Buli-Spielplan ist ebenso diffizil. Ich mag daher zwar mein deutliches Unbehagen ausdrücken, kann aber nicht mit der notwendigen Klarheit sagen, der Verein und die UEFA hätten falsch gehandelt.

Was ich aber sagen kann ist, dass mich die Überfrachtung und Überforderung unserer Spieler zutiefst verstört. Wie kann man den Opfern des Anschlags (und: jedes Anschlags) auferlegen, sie müssten mit allen anderen zusammenstehen, sonst hätten die Terroristen gewonnen? Wie kann man es ernsthaft für eine gute Idee halten, direkt nach einem Fußballspiel mit beinahe pornographischem Interesse junge Männer Anfang 20 nach ihrer Meinung zum Terror und ihren Erlebnissen zu befragen? Eine solche politische Überfrachtung wird dem Spiel nicht gerecht. Ich habe als Zuschauer und Fan eine politische Verantwortung, jedenfalls kann ich frei wählen, ob ich eine solche in den Sport einbringen will, die 11 aufm Platz haben die Wahl nicht.

Mindestens schmierig auch das anbiedernde “Wir sind alle Borussen”. Nee, seid ihr nicht. Ich will auch gar nicht, dass ihr Borussen seid. Ihr dürft gerne Freiburger, Gladbacher oder Schalker bleiben. Bitte hängt euch nicht unseren Schal um und nötigt unsere Mannschaft, ein Signal zu setzen. Seid solidarisch, aber seid keine Borussen.

Abschließend: Was Scherben heute morgen auf Twitter schrieb ist vollkommen richtig: Wann bekommen denn unsere Spieler die Pause und den Abstand, den sie benötigen? Der Spielplan ist voll. Was macht man denn da? Ruft man bei der Eintracht an und fragt, ob man nicht die U19 gegeneinander spielen lassen könne? Scheißt man auf die Liga? Meinen Segen hättet ihr.

UPDATE:

Die Story nach der Story scheint zu werden, dass man einen Konfikt be- oder sogar herbeischreibt zwischen Tuchel und Vereinsführung. Nach den Uefa-Regularien gibt es ein vorgeschriebenes Zeitfenster von zwei Stunden nach der Absage, in dem das Spiel neu terminiert werden muss. Davon werden regelmäßig in Krisensituation große Teile mit Irritation aufgebraucht und nur wenig steht effektiv zur Verfügung. Dann trifft man eine Entscheidung. Eine, die man nicht delegieren kann. Das nennt sich Führung. Es geht mir insoweit nicht primär um die Frage, ob man die Mannschaft hätte einbeziehen sollen (man hätte), sondern darum, dass hindsight eine bitch ist und immer 20/20.

Völlig normal empfinde ich auch die Tatsache, dass unterschiedliche Führungskräfte unterschiedliche Auffassungen haben. Und es ist Ausdruck zeitgemäßer Unternehmenskultur und Führungskultur, dass diese Meinungsunterschiede auch geäußert werden. Dies gilt umso mehr in einer Branche wie dem Profifußball, die dermassen transparent und öffentlich ausgeleuchtet wird, hier noch einmal potenziert durch den unglaublichen Moment der Bomben. Wenn also Tuchel eine andere Auffassung hat als die Vereinsführung – so fucking what? Was ist eigentlich mit Konfliktfähigkeit und Ambiguitätstoleranz? Nicht jede Auseinandersetzung ist ein Bruch, eine Krise und das Ende der Zusammenarbeit. Wer sich berufliche Zusammenarbeit so vorstellt, hängt an einer Idealvorstellung von Harmonie, die ich nicht teilen kann.

Und ich hätte mir gewünscht, einer der Spieler oder mehrere hätten gesagt ich kann und will nicht funktionieren. Das wäre das Signal der Menschlichkeit gewesen.

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The lay of the borussenland

Manchmal denke ich an Klassenfahrten. Und im Schullandheim steht so eine Süßigkeitenbox, wo man unglaubliche Köstlichkeiten erwerben kann und Mama hat einem 10 Mark mitgegeben. Man ist also reicher als jemals zuvor und schuldet auch Frank aus der 4c kein Geld mehr.

Dann geht man zu der Box, bereits mit dem Geschmack von Gummibärchen und Snickers und Raider auf der Zunge, um dann den Deckel hochklappend festzustellen, es liegen nur noch Mr. Tom-Erdnussriegel drin. Für 2,50 Mark das Stück.

Mr. Tom ist korrekt, bringt seine Leistung und ist immer noch drei Klassen besser als zwei Apfelstücke und eine Möhre, aber es ist kein Raider. Und schon mal gar nicht eine hauchzarte Eszet-Schnitte. Und während man da steht und gar nicht so recht weiß, wie das passieren konnte, läuft Hans-Peter vorbei. Hans-Peter trägt ein mintfarbenes Poloshirt und hat einen Pullunder um den Hals gelegt und sein Papa fährt Cabrio. Und er zwinkert Gaby und Heike erst zu und dann gibt er ihnen einen je ein Raider und fragt, wie es beim Reiten war.

Ich kann Hans-Peter nicht leiden. Und ich möchte kein mintfarbenes Poloshirt. Aber mit Gaby und Heike sprechen ist halt toll.

Und wie greifbar die Angst ist, daß Gaby und Heike nicht mehr mit einem reden und daß man nach Hause geschickt wird, weil man es versaut hat.

Mut ist, wenn man Todesangst hat, aber sich trotzdem in den Sattel schwingt. Hilft das? Mir bald nicht mehr. Mir ist blümerant.

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BVB, Fussball

Und dann tut es doch weh

“Vielleicht tut es doch weh
und dann packt dich die Angst.
Manchmal glaubt man beinahe selber,
dass das alles so gehört.
Vielleicht tut es doch weh
und nimmt dir den Schlaf.
Manchmal glaubt man beinahe selber,
dass das alles so gehört.”

Das singen Turbostaat und sie singen nicht über Fußball. Und sie singen schon mal gar nicht über den BVB. Und Lewandowski ist ihnen im Zweifel egal.

Aber mir nicht. Ich wünschte nach sechs Monaten Vorlaufzeit wäre es so, dass ich sagen könnte: So what! Kann ich aber nicht, weil der Verlust in sportlicher Hinsicht groß ist und der Wechsel gerade zum FCB einen Stich versetzt. Es ist mir egal, aber so wollte ich’s doch nicht haben.

Was hat dich bloß so ruiniert bin ich verleitet, Robert L. zuzurufen.

Um dann doch nüchtern festzustellen, dass ihm in sportlicher Hinsicht kein Vorwurf zu machen ist. Kein eingeschnapptes Verhalten, keine Kampagne (über die Zickerei zu Beginn der Vorsaison sei hinweggesehen, die kam auch primär von den Beratern – er konnte wirklich nicht ernsthaft erwarten, dass wir ihn zu diesem Zeitpunkt gehen lassen), keine lustlosen Auftritte. Wenn seine Leistung insbesondere in der CL nicht an die der Vorsaison heranreicht, dann bewegt er sich damit nur auf dem Niveau des gesamten Teams, das die letzte Drehung des Messers, den double leg slam, den Fangschuss vermissen lässt.

Er wechselt zu dem Team, das ihm eine Titelgarantie geben kann und ihm erlaubt, in Gehaltssphären vorzudringen, die beim BVB derzeit undenkbar sind. Ich muss das nicht verstehen. Kann es aber nachvollziehen.

Und wenn man hört (aus Sekundärquellen, mit mir spricht ja sonst keiner), dass Lewandowski im Team integriert ist, anders als wohl etwa Götze auf seinen letzten Metern (oder sogar schon vorher), dann spricht Einiges dafür, dass er auch die Rückrunde absolut professionell zu Ende spielt.

Wenn ich mir was wünschen darf – Pokalfinale gegen die Bayern. 4:3 für uns nach Verlängerung. Drei Tore Lewandowski. Und danach kein Kuss aufs Wappen aufm Trikot, keine Tränchen, sondern ein Abschied von den Fans im Stadion mit Stil. Ein ehrliches Danke für die gute Zeit und ab.

Ich habe keine Ahnung, wen wir als Ersatz holen; schon jemanden zu finden, der eine vergleichbare Klasse hat, erscheint mir schwer. Und er muss dann auch noch ins Mannschafts- und Gehaltsgefüge passen. Ich habe keine Ahnung, wer das sein könnte. Es wird wohl eher nicht Schieber sein. Und es sollte keiner sein, bei dem die Verhandlungen in der 9 Mio. Region anfangen, die Lewandowski beim FCB wohl erreicht hat. Sicher ist, dass ein Team, dem absolute Leistungsträger wegbrechen, Zeit braucht. Ich werde meinem Verein alle Zeit der Welt geben.

Aber ich werde Lewandowski vermissen. Den stoischen Gesichtsausdruck mit dem leicht hängenden Auge, die körperliche Präsenz, Raumgefühl und Zweikampfstärke, seinen Abschluss. Den Mann, der Real vier Stück einschenkte, der sich auf dem Bierdeckel drehen und gegen 90 Kilo Atzen bestehen konnte. Den Mann, den du immer anspielen konntest, ohne dass der Ball im Anschluss durch den 16er flipperte.

Danke und Tschüß. Wirst dich bei uns immer aufm Platz aufwärmen dürfen.

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BVB, Fussball

This place looks better from a passenger window

Aus mir wird kein Fan mehr für Erstrundenpokalspiele, die mit achtstündiger Zugfahrt zu erreichen sind. Zunehmend gefällt mir der Beifahrersitz, mögen die Allesfahrer hinterm Steuer Platz nehmen. Immerhin bin ich heute Morgen mit Trikot raus. Zum Bäcker in Giesing. Da wohne ich zwar nicht, aber da ist München blau. Und man bekommt regelmässig ein freundliches Lächeln. Ein der Feind-meines-Feindes-ist-ein-Freund-Lächeln, aber ein Lächeln.

Und echt gezz, ich freue mich auf Wilhelmshaven. Und Augsburg. Und alles, was kommt. Ich freue mich auf Kuba, geschmeidig nach innen ziehend und wünschte, er träfe noch einmal auf Rafinha, um ihm die Gelegenheit zu geben, diesen Was-will-dieser-durchgeknallte-Zwerg-von-mir Gesichtsausdruck aufzusetzen.

Ich freue mich auf Jonas Hofmann (mit 0,6 Mio im Kicker lächerlich unterbewertet) und bin mir sicher, er wird spielen. Viel spielen. Ich staune zwar immer, wie Fussballer heutzutage aussehen; über diesen Drang, sich unbedingt eine Hitlerjugend-Frisur schneiden zu lassen, insbesondere aber darüber, dass es kaum noch Hans-Peter-Briegelige Typen gibt. Guckt euch Jonas Hofmann an: 70 Kilo und spillerig. Mag helfen, technische Fähigkeiten umzusetzen. Ich habe aber auch gerne beim Zusammenprall von Fussball Rhinozerossen zugeschaut.

Ich freue mich unbändig auf Mkhitaryan. Bei ihm bin ich mir sicher, dass er eine fantastische Saison spielen wird. Der Wunsch ist, dass wir uns im Winter fragen: Mario who?

Aubameyang wird noch brauchen. Aber er wird Reus die notwendigen Regenerationsphasen geben können. Und darüber wird sich Reus freuen.

Kevin wird auf die Ansage vom Trainer, er habe jetzt genug Libero gespielt, die nächsten 10 Minuten bitte auf Rechtsaussen und danach den Thiago in Manndeckung nehmen, antworten: “Alles klar, Trainer!” Und darauf freue ich mich.

Und dann haben wir doch einen, der Hans-Peter-Briegelig aussieht: Sokratis. Nicht nur, dass der Vermieter unseres Apartments auf Sifnos meinte, wir hätten jetzt den besten Griechen überhaupt, Malaka, ich freue mich auch, dass wir jetzt einen haben, der nicht die Hektik eines Santana ausstrahlt, sondern eine Gelassenheit, die nur absolute Pessimisten und Grantler als Phlegma bezeichnen würden. Und, Neven, du wirst dich richtig ranhalten müssen.

Keine Lieder über Liebe und keine Worte zu Lewandowski.

Ich wär soweit.

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BVB, Fussball

Am Montag: Grossartig

Jetzt geht es. Am Montagmorgen ist tatsächlich diese erste Enttäuschung, diese tiefe, atemraubende und rückgratbrechende Enttäuschung überwunden. Wir hatten das Glück, einen BVB zu sehen, der eine unfassbare CL Saison gespielt hat. Wenn ich auch gerne die Klappe aufreisse, ich habe im August letzten Jahres nicht ansatzweise daran geglaubt, im Mai in Wembley zu stehen. Die Gruppenauslosung hat zu Schnappatmung geführt. Denn so sehr ich die Ereignisse der vorangegangenen CL Saison erklären kann, so wenig wollte ich dies noch einmal tun. Nicht, weil Schalke, Bayern und viele andere nicht über uns lachen sollten, sondern weil ich lachen wollte.

Und Junge, ich habe gelächelt, als unser Team in London den Rasen betreten hat. Die Anspannung war weg und ich fand es grossartig. Auch hier in München mit 400 Fans, singend. Und diese ersten 25/30 Minuten, ich habe um mich herum in erstaunte Gesichter gesehen, weil wir es so geil gar nicht erwartet hatten. Anlaufen der Gegner, Zustellen der Laufwege, Offensivpressing, Isolierung von Ribery, alles funktionierte. Und dann sahen ein Kumpel und ich uns an und sagten fast zeitgleich dasselbe: The light that burns twice as bright burns half as long. Wir näherten uns mit Riesenschritten der Treibstoffreserve. Hätten wir zwei Tore gemacht und danach den Bus geparkt, es hätte gut gehen können. Aber wäre meine Oma ein Bus, könnte sie hupen.

Die Bayern passten sich an, Robben doppelte auf links und dann lief es so, wie es sich die Bayern vorher sicher nicht vorgestellt haben, aber sie spielten es halt abgezockt nach Hause. Seien wir ehrlich: Eine Saison wie ein Monolith für die Bayern. Und darum bei mir auch gar keine Frustration, dass wir nach dem Kippen des Spiels keinen Plan B gefunden haben. Es gab ein Mittel gegen die Bayern, wie die ersten 25/30 Minuten gezeigt haben. Aber wohl eben nur dieses Eine. Nutze ich dann die Chancen nicht, rollen dann halt die 2013er Bayern. Ich legte mich anderenorts schon fest: Bei jedem anderen Gegner wäre die Chance auf den Henkelpott grösser gewesen.

Auch wenn Kehl am Anschlag war, so glaube ich dennoch nicht, dass Sahin mehr Kontrolle in die letzten 20 Minuten gebracht hätte. Ein gesunder Götze ohne die Belastung des Wechsels, der hat uns gefehlt. Wir haben eine erste Elf, vielleicht eine erste 13/14, aber danach kommen halt die Leitnardos im Kader. Die ich alle behalten und entwickeln möchte, die du aber in einem CL Finale nicht bringen kannst.

We need a bigger boat.

Es bleibt: Real Madrid. Das Heimspiel war das Beeindruckendste, was ich vom BVB seit langer, langer Zeit gesehen habe und mit einem Lewandowski nicht von dieser Welt. Eine Demonstration eines Reife- und Lernprozesses der Mannschaft, die mich nachhaltig beeindruckt hat. Die Entwicklung seit der ersten CL Saison unter Klopp war aussergewöhnlich. Innerhalb eines Jahres wurden entscheidende Justierungen vorgenommen und die Fehler beseitigt , die uns letzte Saison noch die Niederlagen gebracht haben.

Und Malaga. Wann bekommt man in seinem Fanleben so etwas zu sehen? Es sind nicht Sheringham und Solskjær, die einem die Luft zum Atmen nehmen und den Boden unter den Füssen wegreissen, es ist das eigene Team, das Momente für die Fanewigkeit erzwingt. In einem CL-Viertelfinale erlebt man das einmal im Fanleben. Wenn überhaupt. Dieser Moment wird auch nicht ansatzweise durch die Tatsache getrübt, dass Felipe durchs Abseits mäanderte und stocherte. So heilig bin ich nicht. Es dürfen dagegen alle über Nobby Dickels 5 Minuten lächeln, ich höre sie heute noch gerne. Wir haben den grossartigsten Kirmesansager als Stadionsprecher und ich finde das super. Muss man nicht, aber Nobby D. verschont das Stadion vor Danke! Bitte! Allein dafür gehören ihm Kränze geflochten und seine kaputten Knochen mit Liebe massiert.

Ich will da wieder hin. Wenn nicht Lissabon (wir müssen ja noch ein paar Neue integrieren), dann wäre Berlin aber sowas von der richtige Ort. Wissta ja, komm ick her.

Schliesslich mein Dank an Team und Trainer für einen grossen Auftritt in der Niederlage. Kann nicht jeder.

Für Peter, der eine geile Zeit in London hatte. You fuckin’ deserved it.

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BVB, Fussball

Reh, Giggs, Malaka.

Es war Ostern. Schwiegereltern sind da, man darf mittags zum Reh mit sensationeller Sauce schon ohne tadelnde Blicke Rotwein trinken, die Kinder haben Eier gesucht. Ich hörte mit Kuchen übersättigt eine Runde Iron Maiden. Ein Traum von Feiertag.

Und Schmelzer hat einen Nasenbeinbruch und soll sich bitte nicht so anstellen.

Männersport. Kein Hallenhalma. Wer das nicht abkann, soll halt gehen. Ihr aber selber. Unendlich mal doofer plus eins!

Es ist so ermüdend. Woher haben diese Jungs, die durchgehend Justin Bieber, Pur und R. Kelly hören, eigentlich diesen Macho-Wahn. Ich meine, wenn man alle Hatebreed Alben am Stück hört, dann mag man so eine Attitüde entwickeln. Aber doch nicht so.

Gleichwohl bin ich froh, dass wir Stuttgart erst wieder nächste Saison spielen und jetzt Málàgâ. Ich bin ja erstaunlich tiefenentspannt. Nicht nur weil ich uns ausgezeichnete Chancen aufs Weiterkommen ausrechne, sondern auch weil selbst bei einem Ausscheiden die Saison ok ist. Und nach zweimal grandios kann einmal ok kommen. Es mag natürlich auch sein, dass ich schlicht keine Ahnung habe, was mit Mâlágá auf einen zukommt. Bei allen anderen potentiellen Gegnern hätte ich eine ziemlich eindeutige Vorstellung gehabt. Hier weiss ich zB nur, dass ein durch Gaffatape zusammengehaltener Santa Cruz und ein Demichelis bei Màlàgà spielen. Und das wird nicht reichen.

Schön auch der griechische Kumpel, der mir mit zwei Worten zum Los gratulierte: Malaga, Malaka.

Und ich bin 40 geworden. Ryan Giggs noch nicht. Dafür war Ryan nicht zum Fehlpass Podcast eingeladen. Ich schon. Ätsch. Ist natürlich gut geworden, obwohl ich dabei war. Die anderen verstehen halt was von Fussball. Hat man nicht so oft bei Bayern Fans.

Back to the Fuck Yeah.

Und der Heinzkamke schreibt hier wunderbar zutreffende Worte über Götze. Ihn wie mich irritiert und verblüfft die Leichtigkeit. Und die scheinbare Leichtigkeit. Dieser Moment, wenn man denkt, wieso hat der Götze da auf einmal 3m Raum um zu passen um dann zu realisieren, dass er sich den raum selbst geschaffen hat durch die richtige Bewegung im richtigen Moment.

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BVB, Politik

Kein Tabubruch

Es ist kein Tabubruch, wenn der eigene Fanbetreuer angegriffen wird. Es ist noch nicht einmal besonders verwunderlich. Es ist lediglich Ausdruck der menschenverachtenden Gesinnung, des unbändigen Drangs zu Gewalt und des ständigen Gefühls, einem selber ging es schlecht, weil andere zu Unrecht besser gestellt seien.

Der Tabubruch ist der erste tätliche Angriff auf einen Menschen, die Herabwürdigung des vermeintlichen Gegners und Feiern der eigenen Helden, der Tabubruch besteht schon in der Duldung von Nazistrukturen im Ordnungsdienst. Sollte erst der Angriff auf Jens und Thilo dazu führen, dass das Problem in seiner ganzen Tragweite bekannt wird, dann ist es zu spät. Vielleicht nicht zu spät, um Maßnahmen zu ergreifen, aber zu spät. Dann man hat die Angriffe auf Menschen (nicht nur im Stadion) in Dortmund viel zu lange hingenommen.

Und so ehrenwert ein Banner wie “Borussia verbindet Generationen, Männer und Frauen, alle Nationen!” auch gemeint sein mag, es zeugt von erschreckend geringer Weitsicht und von Naivität. Es geht hier nicht um Nationen, es geht um Rassismus, der sich einen Dreck um Personalausweise schert, es geht nicht um Altersdiskriminierung (was zum Teufel suchen die Generationen auf dem Banner?) und es geht jetzt nicht primär um Sexismus (der leider immer präsent ist im Stadion).

Ein Slogan im besten FIFA oder IOC Duktus ist unfassbar wenig hilfreich. Benennt das Problem! Es stehen Faschisten und Neonazis auf den Rängen, die ihre Politik natürlich auch ins Stadion tragen. Nennt sie so. Und steht dazu, dass wir ein Nazi-Problem haben in der Stadt und im Verein. Schiebt es nicht auf die Ultras, nennt nicht Pyrotechnik in einem Atemzug, sondern benennt die Neo-Nazis als das entscheidende Problem.

Wenn man sich vielleicht auch damit abfinden muss, dass man im Stadion eben nicht nur politische Übereinstimmung findet und ein gewisses Maß an dumpfen Emotionen zähneknirschend akzeptieren lernen muss, so will ich das U-Bahnlied einfach nicht mehr hören, ich will keine Nazibanner im Stadion sehen und ich möchte diese Arschlöcher nicht in meinen Farben sehen. Wenn ein solcher Konsens nicht erzielt werden kann, fürchte ich, muss ich irgendwann meinen Abschied nehmen.

Alles Gute für Thilo und Jens, die für uns und den Verein enorme Arbeit leisten. Kein Fussbreit den Faschisten.

Update: Ausweislich der neuen Stadionordnung behält sich der BVB vor, Personen, “die links- und/oder rechtsradikalen Parteien, Vereinigungen oder Organisationen angehören” mit einem Stadionverbot zu belegen. Gleiches gilt für Mitglieder der rechts- oder linksradikalen Szene”. Sie haben nicht gelernt. Ich kann mir schon vorstellen, dass Watzke kein grosser Freund autonomer linker Projekte ist, aber diese Gleichstellung macht mich fertig. Wie angesichts dieser Fakten Die Zeit – Todesopfer rechter Gewalt über eine linksextreme Gefahr auch nur ansatzweise gesprochen werden kann, ich kann es einfach nicht nachvollziehen und mir nur durch Denkblockaden und Desinteresse erklären. Es gibt insbesondere im Stadion schlicht keinerlei Bedrohung durch linksextreme Fans.

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BVB, Fussball

Winter is coming

Es gibt keine Causa Stark. Es gibt einen Status des BVB, der mir nicht gefällt.

Vorneweg sei aber erlaubt (und dass ist ja das Tolle am eigenen Blog, ich muss es mir nur selbst erlauben, also ab dafür) kurz ein “Die Anderen aber auch und im Zweifel immer noch schlimmer” einzuschieben. Man stelle sich einmal kurz vor, es sei 2011 und Philipp Lahm hätte auf der Linie gestanden. Uli Hoeneß wäre kurz vor der Kernschmelze, grantelnd, was ich immer gut vertragen kann. Rummenigge aber würde im Zweifel unter der Gürtellinie austeilen, giftig und rechthaberisch. Und die gesamte Führung würde ihre Buddys in der Presse losschicken, um mal ein Meinungsbild zu formen.

So in etwa: “Eines ist ganz klar: Dass die Schiedsrichter im Zweifelsfall immer gegen Bayern pfeifen”

Boris Rupert hat einen zu Recht sehr schnell wieder offline genommenen Text (bewusst kein Link) veröffentlicht, der schlicht peinlich war. Vielleicht sogar mehr als das. Jedenfalls aber war er weinerlich und voller Versuche, das fussballerische Schicksal des BVB durch eine Schiedsrichter-Verschwörung zu erklären. Auf diesen Text schiessen sich jetzt einige ein. Zu recht, auch wenn ich wünschte er würde von uns BVB Fans angegriffen und nicht von Fans anderer Vereine, bei denen 14 Punkte Vorsprung offensichtlich dazu führen, wieder einmal draufzuhauen. Mag sein, dass beim FCB ein solcher Text nicht erschienen wäre. Was mit einiger Sicherheit aber auch daran liegt, dass dort bis vor kurzem noch BTX für Social Media gehalten wurde. Vor allem aber liegt es daran, dass beim Bayern aufgrund des Fehlens einer gewachsenen und lebendigen Verbindung zwischen Verein und Fans letztere niemals an die Tasten gelassen würden, um auf der offiziellen Homepage etwas zu schreiben. Und Boris Rupert ist vor allem das, ein Fan. Erlaube ich Fans und deren Organisationen Einfluss, mache ich mich angreifbar. Mich würde nicht wundern, wenn Uli H. die angesprochene Veröffentlichung zum Anlass nimmt, darauf hinzuweisen, dass bitteschön beim FC Bayern alles so bleiben müsse wie es ist.

Nach dem Vorklapp die ganz kurze Feststellung: Wir haben das Spiel verloren. Nicht Stark. Die rote Karte hat Momentum zerstört, aber das Toreschiessen hat sie uns nicht verboten. Wir sollten in der Lage sein auch mit 10 Mann läuferisch mitzuhalten und Chancen zu erarbeiten. Es war Wolfsburg. In der zweiten Halbzeit habe ich keine zwingende Aktion gesehen und das nervt mich. Ich mag es nicht, dass wir ein Mittelfeld vom Platz 2 bis 15 haben. Ich mag da oben sein. Und ich will Spiele gegen Wolfsburg gewinnen, immer. Leider ist ein Moritz Leitner noch nicht soweit, um in solchen Spielen jederzeit (oder fast immer) das Richtige zu tun. Da fehlen dann Bender und Kehl doch sehr. Hummels hätte ich dann auch gerne auf der Sechs gesehen, was aber nicht möglich war, hätte dann doch Santana alleine in der Mitte gestanden. Es könnte sein, dass wir ironischerweise mit zu viel fussballerischem und mentalem Elan und Ehrgeiz nach dem Rückstand gespielt haben. Sonst immer ein Pluspunkt, könnte es sein, dass uns in solchen Spielsituationen dieser Wille auf die Füsse fällt und den Blick auf die einfachen Situationen und Lösungen verstellt.

Update:: Das was Helmi im Kommentar sagt. Mehr Souveränität unter Beibehaltung der Club-Identität. Wir sollten uns weder von den Bayern, noch von Schiedsrichtern aus der Ruhe bringen lassen. Wir machen viel, viel richtig.

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