The Patagonian Run

Tag 1

Freitagabend, Flughafen München und ich freue mich einfach so unglaublich. Am 22. Dezember hatte ich meinen letzten Arbeitstag und noch in meiner letzten Arbeitswoche war mir klar, was und wohin ich wollte. Nach Patagonien, alleine. Ich will laufen, sehen, kochen, allein sein und Weite genießen.

Ich habe 15 Jahre durchgearbeitet bis auf die üblichen Sommerurlaube und als sich die Möglichkeit ergab, einfach aufzuhören und mindestens sechs Monate Pause zu machen, musste ich nachdenken. Die drei Schritte aus dem Büro meines Chefs, der mir ein Angebot gemacht hat, das schlicht gut ist (Danke, Holger), dachte ich nach. Beim Schließen der Tür war ich schon geneigt, nach einem Stift für die Unterschrift zu fragen.

Dass ich aber tatsächlich hier sitze, hat wesentlich auch mit Frau Bird zu tun, die nicht einmal zuckte, als ich ihr sagte, dass ich vier Wochen ans Ende der Welt möchte. Sie hat dann halt die Töchter. Kein Ding. Es ist mir wichtig und dass sie dies weiß, dass ist mir wichtig.

Und bei den Töchtern sind wir beim Bild. Sie haben gebastelt. Ein Kissen und ein Täschchen für die Frühstückseier. Mehr braucht man eigentlich nicht. Bis in vier Wochen, Mädchen.

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BVB, Fussball

Spieler

Ich musste noch nie eine Bombe explodieren sehen und ich kenne nur einen Menschen, der das musste. Und dessen Eindrücke, Traumata und Schmerz reichen mir eigentlich fürs Leben. Ich mag daher kein Urteil darüber abgeben, wie man sich richtig verhält oder angemessen oder wie man den Prozess der Verarbeitung optimal umsetzt. Es kann daher auch durchaus sein, dass es den Betroffenen hilft, ein Fußballspiel zu spielen keine 24h nachdem mit Metallstiften gefüllte Bomben neben einem explodiert sind und man vielleicht nicht in der Nacht, so doch aber sicher im Laufe des Tages realisiert hat, dass die Bomben ein direkter Angriff auf das eigene Leben waren. Es kann sein, dass die Beklemmung erst langsam in einen hineinkriecht und die Angst kommt und man die Angst der Liebsten erst dann realisiert.

Ich weiß daher wirklich nicht, ob man gestern hätte spielen sollen. Die Spieler – und nur diese als direkte Opfer interessieren mich hier – gaben durchweg zu erkennen, sie hätten gerne noch ein wenig mehr Zeit gehabt. War es unmöglich, ihnen diese einzuräumen? Man stelle sich die schlimmste berufliche Drucksituation vor, in der man jemals gewesen ist, denke sich zeitlichen Druck hinzu und reichlich andere Parteien, die mitreden, mitbestimmen wollen, Ratschläge erteilen und man ist wohl noch nicht einmal ansatzweise in der Nähe der Krisen- und Drucksituation in der sich die Vereinsverantwortlichen befanden. Eine Absage am 11.04. war klar und unumstritten, aber wie reagiere ich auf die Anfrage der UEFA, ob man morgen spielen könne? Man kann es herunterbrechen auf die eine einzige Frage “Was ist richtig für meine Spieler?”, aber weder Watzke noch Rauball können ausschließlich in diesen Kategorien denken. Es gilt finanzielle Zwänge, Sicherheitsbedenken, Verhältnis zur UEFA etc in die Abwägung einfließen zu lassen. Und die Entscheidung nimmt ihnen auch keiner ab. Sie sind die Vereinsführung und sie haben zu entscheiden.

Gleichwohl irritiert nachhaltig, dass jedenfalls nach der Aussage Tuchels, Trainer und Spieler zu keinem Zeitpunkt gefragt wurden. Die empathischere Vorgehensweise wäre sicherlich gewesen, persönlich die Mannschaft aufzusuchen und ein Meinungsbild einzuholen. Aber wenn ich mich nicht komplett täusche, ist Watzke eine solche Nähe eher fremd.

Ich kann mir auch schlechterdings nicht vorstellen, dass auch nur ein Verein für ein solches Szenario ein Prozeßhandbuch ausgearbeitet hat, das man dann Punkt für Punkt abarbeitet. Insgesamt musste hier auf fragiler Tatsachenbasis innerhalb kürzester Zeit eine Entscheidung getroffen werden und die Vereinsführung kam zu dem Ergebnis, es sei richtig, Mittwoch zu spielen. Hätte es überhaupt ohne Auswirkung auf den Spielplan nationaler Verbände einen Ausweichtermin gegeben? Wie hätte man etwa etwa innerhalb eines Tages die deutschen Pokalhalbfinalisten bewegen sollen, einer Verschiebung zuzustimmen? Und ein Eingriff in den Buli-Spielplan ist ebenso diffizil. Ich mag daher zwar mein deutliches Unbehagen ausdrücken, kann aber nicht mit der notwendigen Klarheit sagen, der Verein und die UEFA hätten falsch gehandelt.

Was ich aber sagen kann ist, dass mich die Überfrachtung und Überforderung unserer Spieler zutiefst verstört. Wie kann man den Opfern des Anschlags (und: jedes Anschlags) auferlegen, sie müssten mit allen anderen zusammenstehen, sonst hätten die Terroristen gewonnen? Wie kann man es ernsthaft für eine gute Idee halten, direkt nach einem Fußballspiel mit beinahe pornographischem Interesse junge Männer Anfang 20 nach ihrer Meinung zum Terror und ihren Erlebnissen zu befragen? Eine solche politische Überfrachtung wird dem Spiel nicht gerecht. Ich habe als Zuschauer und Fan eine politische Verantwortung, jedenfalls kann ich frei wählen, ob ich eine solche in den Sport einbringen will, die 11 aufm Platz haben die Wahl nicht.

Mindestens schmierig auch das anbiedernde “Wir sind alle Borussen”. Nee, seid ihr nicht. Ich will auch gar nicht, dass ihr Borussen seid. Ihr dürft gerne Freiburger, Gladbacher oder Schalker bleiben. Bitte hängt euch nicht unseren Schal um und nötigt unsere Mannschaft, ein Signal zu setzen. Seid solidarisch, aber seid keine Borussen.

Abschließend: Was Scherben heute morgen auf Twitter schrieb ist vollkommen richtig: Wann bekommen denn unsere Spieler die Pause und den Abstand, den sie benötigen? Der Spielplan ist voll. Was macht man denn da? Ruft man bei der Eintracht an und fragt, ob man nicht die U19 gegeneinander spielen lassen könne? Scheißt man auf die Liga? Meinen Segen hättet ihr.

UPDATE:

Die Story nach der Story scheint zu werden, dass man einen Konfikt be- oder sogar herbeischreibt zwischen Tuchel und Vereinsführung. Nach den Uefa-Regularien gibt es ein vorgeschriebenes Zeitfenster von zwei Stunden nach der Absage, in dem das Spiel neu terminiert werden muss. Davon werden regelmäßig in Krisensituation große Teile mit Irritation aufgebraucht und nur wenig steht effektiv zur Verfügung. Dann trifft man eine Entscheidung. Eine, die man nicht delegieren kann. Das nennt sich Führung. Es geht mir insoweit nicht primär um die Frage, ob man die Mannschaft hätte einbeziehen sollen (man hätte), sondern darum, dass hindsight eine bitch ist und immer 20/20.

Völlig normal empfinde ich auch die Tatsache, dass unterschiedliche Führungskräfte unterschiedliche Auffassungen haben. Und es ist Ausdruck zeitgemäßer Unternehmenskultur und Führungskultur, dass diese Meinungsunterschiede auch geäußert werden. Dies gilt umso mehr in einer Branche wie dem Profifußball, die dermassen transparent und öffentlich ausgeleuchtet wird, hier noch einmal potenziert durch den unglaublichen Moment der Bomben. Wenn also Tuchel eine andere Auffassung hat als die Vereinsführung – so fucking what? Was ist eigentlich mit Konfliktfähigkeit und Ambiguitätstoleranz? Nicht jede Auseinandersetzung ist ein Bruch, eine Krise und das Ende der Zusammenarbeit. Wer sich berufliche Zusammenarbeit so vorstellt, hängt an einer Idealvorstellung von Harmonie, die ich nicht teilen kann.

Und ich hätte mir gewünscht, einer der Spieler oder mehrere hätten gesagt ich kann und will nicht funktionieren. Das wäre das Signal der Menschlichkeit gewesen.

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An die Grenze: Die Stille vor dem Schuß

In den letzten Wochen hatte ich mehrfach den kurzen aber intensiven Drang, etwas zu den rechtspopulistischen Positionen in der Flüchtlingsfrage im Allgemeinen und zur AfD im Besonderen zu schreiben. Ich ließ es sein, denn ich hatte mir auferlegt, über den Ekel nie mehr zu schreiben. Aber wie bei Pascow die zweieinhalb Minuten sein mussten, kurz einige Gedanken.

Zuerst äußerte sich Frauke Petry, später dann Beatrix von Storch. Es sei noch einmal zitiert.

Petry:

„Noch mal: Wie soll ein Grenzpolizist in diesem Fall reagieren?

Petry: Er muss den illegalen Grenzübertritt verhindern, notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen. So steht es im Gesetz.

Es gibt in Deutschland ein Gesetz, das einen Schießbefehl an den Grenzen enthält?

Petry: Ich habe das Wort Schießbefehl nicht benutzt. Kein Polizist will auf einen Flüchtling schießen. Ich will das auch nicht. Aber zur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Waffengewalt. (…)“

Storch:

“Wollt ihr etwa Frauen mit Kindern an der grünen Wiese den Zutritt mit Waffengewalt verhindern?”

“Ja”

Bereits vor diesen Debatten passte mir die gesamte Form der Debatte nicht, ich empfand sie als unsachlich, populistisch, intellektuell unehrlich. Und dies von beiden Seiten. Was mich dabei weitaus mehr schmerzte, waren die Anwürfe von rechts außen, auch wenn ich sie in ihrer Einfachheit und Menschenfeindlichkeit erwartete. Zur gleichen Zeit aber nervte mich zutiefst, mit welcher Holzschnittartigkeit die Reaktion stattfand. Ich muss nicht auf einen Nazi Großvater verweisen, um die Positionen von Storch bloßzulegen. Ich darf es auch nicht. Was steckt denn dahinter? Soll sie in Sippenhaftung genommen werden für seine Verbrechen? Vererbt sich faschistisches Gedankengut? Really?

Ich kann und muß in einer politischen Debatte komplexeste Sachverhalte politisch diskutieren. Es ist aus meiner Sicht die hohe Kunst, Sachverhalte, die eigentlich Spezialwissen voraussetzen (rechtliches, ökonomisches, technisches), so zu präsentieren, dass eine Meinungsbildung möglich ist. Was nicht das Ziel sein kann, ist die Entscheidungsfindung durch Experten, eine solche verschließt sich einem politischen Meinungsbildungsprozeß und ist Gift für einen freien Diskurs.

Diese Aufgabe kann monumental sein je komplexer die Sachverhalte sind. Um so mehr verstört es mich, wenn bei eigentlich recht simpel gelagerten Fragen diese Sorgfalt mit Füßen getreten wird. Worum geht es? Um das UZwG und die Frage, ob an der Grenze geschossen werden darf. Wie sind aus meiner Sicht die Aussagen der AfD Funktionärinnen zu verstehen? Eindeutig. Beide Fragesteller fragen explizit, wie ein Grenzer reagieren soll und gerade nicht, wie er reagieren darf. Das UZwG ist ein klassisches Gesetzt zur Legitimation staatlichen Handelns. Es stellt die Ermächtigungsgrundlage dar für die Frage, wann unmittelbarer Zwang (zu dem in einem abgestuften System als Ultima Ratio auch Schußwaffengebrauch gehört) gegen Menschen angewandt werden darf. Was es nicht sagt: Du, Grenzer, musst (oder auch nur: sollst) von der Schußwaffe Gebrauch machen. Es geht mir dabei nicht um eine regelrechte Subsumtion und Auslegung. Das hat Halina Wawzyniak hier schon besser gemacht: Das steht nicht im Gesetz. Das Ergebnis ist auch eindeutig: In den allerseltensten Fällen wird der Schußwaffengebrauch an der Grenze überhaupt rechtmäßig sein.

Selbstverständlich dürfen und müssen Rechtsgüter geschützt werden. Dies ist eine der Kernaufgaben des Rechtsstaates. Es lässt sich daher niemals per se ausschließen, dass staatliche Gewalt auch gegen Frauen und Kinder ausgeübt werden darf und sollte. Selbstverständlich darf etwa, wenn Frauen und Kinder eine Synagoge angreifen, eine Kirche, eine Versammlung und Gefahr für Leib und Leben besteht, Gewalt eingesetzt werden und sollte es auch. Die gewählten Beispiele allerdings unterscheiden sich in einem zentralen Punkt von der Grenzfrage, wie sie Storch und Petry verstehen: Es wird ein hohes Rechtsgut angegriffen. Auch dann muss ich unter Anwendung des Verhältnismäßigkeitsprinzips abwägen, ob ich dieses Angriff durch Verletzung eines ebenfalls hohen Rechtsgutes abwenden darf.

Der AfD geht es darum gerade nicht. Die Forderung heisst: Die territoriale Integrität des Landes soll durch Waffengewalt verteidigt werden. Ich will keine Flüchtlinge, die einfach so ins Land kommen. Um diesen Zustand zu beenden “muß” der Grenzpolizist notfalls von der Waffe Gebrauch machen (so Petry) und es es ist der Wille von Storch, den Zutritt mit Waffengewalt zu verhindern. Und zwar diesen für sich genommen, allein den Grenzübertritt. Das ist eiskalt und empathiebefreit. Man kann und sollte über die Frage von Flucht und Zuwanderung diskutieren, wenn aber in dieser Diskussion davon ausgegangen wird, dass auf Flüchtlinge geschossen werden soll, ist eine Grenze überschritten.

Kann man die Äußerungen der AfD anders verstehen? Ich habe es versucht. Fangen wir bei Storch an: Sie ist Volljuristin. Und selbst wenn sie in ihrem beruflichen Leben noch keinen einzigen Blick in das UZwG geworfen hat, erwarte ich von ihr (und kann es auch, die juristische Ausbildung in diesem Land ist so schlecht nicht), daß sie die Grundprinzipien der Rechtsgüterabwägung und Verhältnismäßigkeit beherrscht und berücksichtigt. Und Frau Petry? Sie behauptet apodiktisch “es stehe im Gesetz”. Nein, das steht da nicht. Und das muss sie wissen. Beide Frauen sind definitiv schlau genug und kalkuliert genug, um zu wissen, was ihre Aussagen auslösen. Sie gaukeln damit eine einfache Lösung vor, die es nicht gibt, Härte und Konsequenz. Sie zeigen aber nur eine Verlotterung der Auseinandersetzung und ich fürchte sie zeigen auch, was sie von humanistischen Idealen halten.

Schließlich liegt ihren Ausführungen auch ein fundamentaler weiterer Irrglaube zugrunde: Ich bin der festen Überzeugung, dass Grenzpolizisten in diesem Land weitaus überwiegend nicht einmal ansatzweise auf die Idee kämen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen gegen Flüchtlinge. Ich bin darüber sehr froh. Und glauben die beiden wirklich, sie könnten die Grenzpolizisten dazu veranlassen? Sie irren.

Edit:
Die GdP stellt klar: Kein deutscher Polizist wird auf Flüchtlinge schießen

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Paris und was es mit mir macht

Es hat gedauert, bis ich gestern meine Eltern erreichte, die gerade in Paris sind. Es geht ihnen gut. Es hat bis heute morgen gedauert, bis ich meinen engsten Mitarbeiter erreichte, Halbfranzose, der in Paris ist. Es geht ihm gut. Eben erst habe ich Nachricht von einem alten Freund erhalten, der in Paris lebt, auch ihm geht es gut.

Das ist alles, was ich an Gutem sagen kann. Ansonsten bin ich schockiert und hochgradig verwirrt. Denn dieser Angriff stellt mich und meine Werte und Ansichten in Frage. Sie bröckelten vorher und jetzt gerade bin ich konsterniert.

Ich möchte eine Gesellschaft, die queer ist, divers, mit Widersprüchen, Chancen bietet, die Freiheit garantiert und Recht, die Gleichberechtigung postuliert und Schutz der Schwachen. Diese Gesellschaft wird angegriffen von Menschen, die all diese Werte ablehnen. Die etwas radikal Anderes wollen, etwas so dogmatisch Düsteres, dass es mich schaudern lässt.

Wie geht eine Gesellschaft mit Menschen um, die diese Freiheiten radikal ablehnen, wie positioniere ich mich persönlich dazu? Jahrzehnte habe ich mit Vehemenz vorgetragen, dass wir zuhören müssen, Ungleichheiten beseitigen müssen und aufklären. Gelänge uns dies, so war ich überzeugt, entziehen wir Terror die Grundlage. Ich bin mir dessen nicht mehr sicher.

Ich habe militärische Lösungen immer abgelehnt, mich aktiv gegen einseitige Verurteilungen von Religionen gestellt, letzteres obwohl ich organisierte Religion (nicht: Glaube) für eine aberwitzige Fehlentwicklung halte. Und jetzt bin ich unglaublich wütend. Auf Menschen, die auf die Errungenschaften der freiesten Gesellschaft, in der Menschen je lebten, scheissen. Ich habe längst akzeptiert, dass unsere Gesellschaft immer angegriffen werden wird von Menschen, die sie ablehnen. Das ist für mich gerade Teil des Grundgerüstes der Gesellschaft, denn ich will den Wettstreit von Ideen, Weltanschauungen und Überzeugungen.

Aber ich erschrecke, wenn ich inzwischen überlege, ob wir nicht deutlicher gegen diejenigen vorgehen müssen, die eine Demokratie abschaffen möchten und Blut auf den Strassen sehen wollen. Und ich warte sehnsüchtig auf die muslimische Bewegung, die nicht nur Tausende auf die Strasse bekommt, wenn es um Hassreden gegen Israel und Juden geht, sondern die Tausende auf die Strasse bekommt um zu zeigen “not in our name”. Damit ist kein Kollektivschuldgedanke verbunden, vielmehr sei meine eigene Hilflosigkeit ausgedrückt angesichts von in Frankreich, England oder hier sozialisierter Männer (die unmittelbaren Täter sind fast ausschließlich Männer), deren Beweggründe und Ziele ich nicht ansatzweise nachvollziehen kann. Darin unterscheiden sie sich etwa vom rechtsextremistischen Terror. Dessen Motive kann ich intellektuell nachvollziehen, so ekelig sie sein mögen, aber diese Menschen und ihre Handlungen kann ich jedenfalls teilweise begreifen. Islamisten aus Paris, London und Berlin begreife ich nicht ansatzweise.

Ich empöre mich genauso wie die meisten meiner Freunde über Rechtspopulisten, die die Anschläge instrumentalisieren, aber mein erster Gedanke geht eher dahin, dass ich mich frage, ob wir uns nicht erst um die Terroristen und deren Netzwerk und dann um Rezeption und Instrumentalisierung kümmern sollten. Mit den Rechtspopulisten bei uns werden wir fertig, denn wir kämpfen auf Augenhöhe – parlamentarisch, argumentativ. Mit radikalislamischen Terroristen können wir nicht reden. Ich kann es nicht. Und will es auch nicht.

Ich bin es auch fast leid, das Mantra von der Mehrheitsgesellschaft zu hören, die sich um die Benachteiligten besser kümmern muss. Sollte nicht der erste Gedanke sein, vom Täter zu verlangen, dass er eben nicht den Abzug an der AK zieht? Alles, was er tun muss, ist nicht zu schiessen. Dagegen wirken die Aufrufe an die Mehrheitsgesellschaft hilflos, pauschal und gleichzeitig so gewaltig gross. Wenn es heisst, der IS rekrutiere die Gedemütigten und unter Rassismus leidenden jungen Männer in unseren Städten, dann mag das sogar so sein, aber Mensch, es ist doch kein Automatismus, dass ich dann losgehe und mich in einem Club in die Luft sprenge. Das ist meine individuelle Schuld. Meine Verantwortung und meine Entscheidung. Die nimmt mir keiner ab und ich bin nicht fremdgesteuert durch die Gesellschaft.

Ich suche den Weg wie man ohne ein rassistisches, islamophobes Arschloch zu sein (oder im zweiten Satz so genannt zu werden) sich gegen diese Bedrohung stellen kann. Ich suche den Weg angesichts des unermesslichen Leids der Flüchtlinge aus Kriegsregionen gleichwohl berechtigte Sicherheitsinteressen in die Betrachtung der Gesamtsituation einbeziehen zu können.

Ich suche den Weg, diese freie, vielfältige Gesellschaft zu erhalten. Und weiss gerade nicht, wie es gehen soll.

[Update]: Habe versucht, zu konkretisieren.

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Drüben auf Twitter hatte der Marco die Idee, wir sollten doch ein Tape zusammenstellen, 2×45 Minuten mit der Musik, die wir hörten als wir 16 waren. Das ist natürlich hemmungslos sentimental und ich fürchte ein Ding von alten Männern, um sich für 2×45 Minuten einen Hauch Jugend zurückzuholen. Also genau mein Ding.

Sechzehn war ich 1989. Und diese Musik habe ich damals gehört und ich war unglaublich privilegiert, hatte ich doch durch glückliche Fügung Zugang zur Tape-Trading Szene gefunden und damit zu Musik, die nicht im Radio lief.

Ich habe hier Seite A für euch. Chromdioxid Band, Typ II von Maxell.

1. Depeche Mode – Little 15 04:18

Zwar von 1987, ich kam dazu aber erst ein Jahr später, als ich 15 war. Und die Mädchen in meiner Klasse auch.

2. Madonna – Like a Prayer 05:39

Lasst mich komplett. Madonna.

3. Megadeth – In My Darkest Hour 06:16

The Dave. Es gab Megadeth, Metallica, Slayer und Anthrax. Und Megadeth hatte mit “So Far, So Good… So What!” ein Hammeralbum veröffentlicht. Meine Eltern haben es gehasst. Meine Schwester hat es gehasst. Alle Mädchen haben es gehasst. Ich liebte es.

4. Social Distortion – It’s the Law 02:38

Danke, Gunnar. Ohne dich hätte ich von dieser Band nichts gehört.

5. Bros – When will I be famous 05:02

….I CAN’T ANSWER, I CAN’T ANSWER THAT!

6. Iron Maiden – Only the good die young 04:40

Gaaaaanz schwierig, weil Keyboard. Das war nicht mehr der wahre Metal!

7. Manowar – Kings of Metal 03:45

DAS war der wahre Metal.

8. Dire Straits – Brothers in Arms 07:00

Ohgottohgottohgott

9. Bangles – Eternal Flame 04:03

Kuscheln.

10. Rund DMC – Mary, Mary 03:12

Zugang zu Run DMC und US-HipHop kriegte man als Berliner eigentlich nur über amerikanische Soldaten. Den hatte ich nur sehr eingeschränkt. Aber Run DMC blieb haften.

Macht 45:13 und natürlich kriegte man die 13 Sekunden noch hintendran.

Und Seite B:

1. Soundgarden – All your lies 03:51

Das ist für mich der Inbegriff reinen, musikalischen Glücks. Niemals wäre ich mit 16 in Berlin alleine auf diese Band gekommen. Als mir das Tape in die Hand gedrückt wurde, war ich fassungslos. Bis heute für Seattle unerreicht.

2. A-HA – Touchy! 04:34

Morten Harket. Heike W. Ihr Zimmmer im 8. Stock im Märkischen Viertel.

3. Nuclear Assault – Great Depression 03:30

Das Cover! Hatte ich immer extra hübsch platziert um dieses Augenrollen hervorzurufen.

4. Milli Vanilli – Girl You Know It’s True 04:13

Wat willse machen, haben alle gehört.

5. Cure – Lullaby 04:10

Fensterladen runter und schlurfen. Und: Linientreu.

6. Neneh Cherry – Buffalo Stance 05:42

Näher bin ich an so echte Tanzmusik nicht rangekommen.

7. Simple Minds – Belfast Child 06:42

Puuuuuuh.

8. Faith No More – Falling to Pieces 05:15

The Real Thing schlug ein wie eine Bombe. War mir wochenlang zu frickelig und zu anstrengend. Dann hatte es mich.

9. Westernhagen – Freiheit 02:38

Kam glaube ich erst ein Jahr später, aber es wäre geschummelt, es nicht auf ein Mixtape zu nehmen. Es war 1989 und eine Zeitenwende kam. Aber musste die echt mit Westernhagen kommen? Und den Scorpions?

10. Cro-Mags – Crush The Demoniac 03:56

Fuckyeah. Harley Flanagan ist natürlich ein asozialer Vollhonk. Das wusste ich damals aber nicht.

11. Bad Religion – Suffer 01:47

Große, große Liebe für diese Band. Sie sahen damals aus, wie wir gerne ausgesehen hätten und heute sehen sie aus wie wir. Akademiker mit Geheimratsecken und einigen Kilo zuviel.

Macht 43:78

Dieses Tape gab es so nie. Es ist das Tape, das ich zusammenstellte, wäre ich jetzt 16. Oder das ich zusammenstellte für mein 16jähriges Ich. Ich habe viele Hobbies und Leidenschaften ausprobiert, eine Zeit lang begleiteten sie mich, dann legte ich sie wieder ab und wandte mich Neuem zu. Nur zwei Dinge begleiten mich seit ich 14 bin: Fußball und Musik. Nicht das Schlechteste.

Wer hat beim #mixtapemit16 schon mitgemacht? Der Spielbeobachter hier: Spielbeobachters Kassette und der nurdertim hier: Dem Nurdertim seine Kassette

Musik, Zeug

Mischkassette

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All good things come to an end

Ich bin mir sogar schon bei der Ansprache unsicher. Ich kenne ihn nicht, habe kein Wort mit ihm gewechselt, noch nicht mal die Hand geschüttelt. Jürgen ist mir zu kumpelhaft, Herr Klopp klingt als sei er mein Erdkunde-Lehrer. Ich probiere es (anmaßend?) mit der Spieler-Ansprache.

Hey, Trainer!

Danke für diese sieben Jahre. Danke dafür, daß ich meinem Verein emotional so nah war wie nie in 30 Jahren Fansein. Das bedeutet mir mehr als die Titel. Die Titel sind der Becher selbstgemachter Crème Brûlée. Wäre nicht nötig gewesen, aber Scheiße, war 2011 geil. Davor habe ich nur 1997 eine solche Eruption erlebt in mir, im Club, bei den Fans. Das 1:0 im Pokal gegen Fürth gefolgt von der Demonstration in Berlin? Danke. Ich war in den frühen 2000ern weit weg von meinem Verein, nicht nur räumlich, denn das bin ich jetzt auch, sondern emotional. Ich war bereits an der Grenze, daß mich Themen nicht mehr geärgert haben, sie wurden mir fast egal. Diese Entwicklung kippte ins Gegenteil, als Klopp übernahm. Mir ist bewußt, daß sich der Klub um ihn herum professionalisierte, eine Marke aufgebaut wurde. Ich bin Businesskasper und glaube, ökonomische Prinzipen und Maximen und die Kommunikationsspolitik der Borussia Dortmund GmbH & Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien verstanden zu haben. Ein solches kalkuliertes Schaffen von Projektionsflächen ist weit vom Schotterplatz und selbstgewaschenen Stutzen entfernt und wie ernst es die Beteiligten mit ihrem Claim von Echter Liebe meinten, verstörte mich dann doch manchmal.

Und inmitten dieser börsennotierten KGaA dann Jürgen Klopp (Hey, Trainer!) der bei mir ein seltsames positives Störgefühl auslöste. Denn ihn empfand und empfinde ich als echt und authentisch – jedenfalls soweit meine Wahrnehmung reicht. Sein Verhalten wirkt nicht antrainiert und in offsite meetings im Sauerlandstern einstudiert, das ist der Trainer.

Was ich aber eben auch mag war seine Arroganz, es schlicht besser zu wissen als die meisten Anderen da draußen, Journalisten eingeschlossen. Man mag das unprofessionell nennen oder auch unsympathisch. Ich finde es cool, wenn jemand von sich überzeugt ist und eine Mission hat, von der er glaubt, er alleine sei der Richtige dafür. Und er war der Richtige.

Und in dem Moment wo der Verein und wohl auch er erkennt, daß Klopp in einem schädlichen Ausmaß messianisch überhöht wird und daß Andere vielleicht mehr erreichen können, da geht er. Oder wird gegangen. Was mir fast egal ist. Er geht zu einem Zeitpunkt, der dem Verein die Möglichkeit lässt, zu reagieren, mit Spielern zu reden und den Umbruch im Sommer vorzubereiten. Wenn es gespielt war, wie Klopp vom Verein sprach auf der PK, von sich, dann war es begnadet gespielt. Ich nehme ihm ab, daß er ging als Ergebnis einer Selbstreflexion.

Hey Trainer, ich brauche ein Ticket gegen Werder. Ich möchte Tschüß sagen und mir ein Tränchen aus den Augen wischen.

For those about to rock, we salute you.

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Musik

Jagdhund

Eigentlich beschimpfen sie mich. Und dies seit dem ersten Album. Auf jeder Split-Single.

Und ich liebe sie dafür. Love A sind für mich noch Punk und haben heute ihr drittes Album veröffentlicht, Jagd & Hund. Auch auf Vinyl, mit Jutebeutel, Aufkleber, wie man das heute halt so macht. War “Eigentlich” 2011 noch ein ziemlich roher Brocken mit ins Hysterische kippenden Stücken (Prototyp: die 1:37 von Freibad) schloß sich daran “Irgendwie” an, ein Album, das mich 2013 mit seiner ersten Single “Windmühlen” zutiefst berührt zurückließ. Man kann man einen Song wie Windmühlen auch als tendenziell weinerlichen Befindlichkeitspunk definieren, der nur durch Attitüde und Punksound den richtigen Abstand zu – sagen wir – Blumfeld wahrt. Man kann aber – so wie ich – trotzig sagen, daß Love A exakt beobachten und so textsicher sind, daß sie diese Beobachtungen eben auch in die richtigen Song-Zeilen packen. Die Texte sind eindeutig genug ohne plakativ Punk-Parolen herauszuspucken, die ich tatsächlich nicht mehr ertrage, wenn sie nicht zumindest ironisch gebrochen sind. Besser aber noch ist es, wenn eine Band es schafft, eine Lebensrealität zu schildern und ihre Verachtung hintenrum vor dir auszubreiten. Love A schafft das.

Und sie schaffen das unter Verzicht auf das klassische Punkbesteck sondern schwören auf unverzerrten Twäääng. Es ist so viel einfacher wütend rüberzukommen, wenn man Toxoplasma heißt und auch so klingt. Der unpunkige Sound (um das schauderliche “Indie” zu vermeiden) unterscheidet Love A auch von ihren Brüdern im Geiste wie Turbostaat, Captain Planet, duesenjaeger, Grand Griffon und Konsorten. Und derzeit liegen sie vorne. Vor den Anderen.

Und sie beschimpfen mich halt, weil ich nicht die Ramones bin. Altbauwohnungspunk. Und ich kann mit ihrem Blick auf mich leben, denn die Beobachtung trifft zu. “Wir machen Schulden, sammeln Herzen” (aus “Regen auf Rügen”)

Jagd & Hund setzt die Entwicklung von Irgendwie fort und Jörkk klingt immer noch den genau richtigen Schritt drüber. “Papa, der hat Probleme, oder, der klingt so!”

Die Produktion gefällt mir auch, ich mag es, wenn Vocals nach vorne gemischt werden. Es finden sich Songs wie “100.000 Stühle leer”, der so Indie ist, daß mich der Text überzeugt und es gibt “Augenringe”, der alles mitbringt. Bei “Ein Gebet” warte ich auf das gehämmerte Jerry Lee Lewis Klavier. Kommt aber nicht, vielleicht auf Album vier. Ich werde auch dann bei ihnen sein.

Große Band, großes Album.

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BVB, Fussball

The lay of the borussenland

Manchmal denke ich an Klassenfahrten. Und im Schullandheim steht so eine Süßigkeitenbox, wo man unglaubliche Köstlichkeiten erwerben kann und Mama hat einem 10 Mark mitgegeben. Man ist also reicher als jemals zuvor und schuldet auch Frank aus der 4c kein Geld mehr.

Dann geht man zu der Box, bereits mit dem Geschmack von Gummibärchen und Snickers und Raider auf der Zunge, um dann den Deckel hochklappend festzustellen, es liegen nur noch Mr. Tom-Erdnussriegel drin. Für 2,50 Mark das Stück.

Mr. Tom ist korrekt, bringt seine Leistung und ist immer noch drei Klassen besser als zwei Apfelstücke und eine Möhre, aber es ist kein Raider. Und schon mal gar nicht eine hauchzarte Eszet-Schnitte. Und während man da steht und gar nicht so recht weiß, wie das passieren konnte, läuft Hans-Peter vorbei. Hans-Peter trägt ein mintfarbenes Poloshirt und hat einen Pullunder um den Hals gelegt und sein Papa fährt Cabrio. Und er zwinkert Gaby und Heike erst zu und dann gibt er ihnen einen je ein Raider und fragt, wie es beim Reiten war.

Ich kann Hans-Peter nicht leiden. Und ich möchte kein mintfarbenes Poloshirt. Aber mit Gaby und Heike sprechen ist halt toll.

Und wie greifbar die Angst ist, daß Gaby und Heike nicht mehr mit einem reden und daß man nach Hause geschickt wird, weil man es versaut hat.

Mut ist, wenn man Todesangst hat, aber sich trotzdem in den Sattel schwingt. Hilft das? Mir bald nicht mehr. Mir ist blümerant.

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BVB, Fussball

Ich danke Sie!

Hach. Seit dem Examen habe ich nichts mehr gewonnen mit etwas Selbstgeschriebenem. Danke Euch.

Fokus Fussball Blog Dezember

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BVB, Fussball

Und dann tut es doch weh

“Vielleicht tut es doch weh
und dann packt dich die Angst.
Manchmal glaubt man beinahe selber,
dass das alles so gehört.
Vielleicht tut es doch weh
und nimmt dir den Schlaf.
Manchmal glaubt man beinahe selber,
dass das alles so gehört.”

Das singen Turbostaat und sie singen nicht über Fußball. Und sie singen schon mal gar nicht über den BVB. Und Lewandowski ist ihnen im Zweifel egal.

Aber mir nicht. Ich wünschte nach sechs Monaten Vorlaufzeit wäre es so, dass ich sagen könnte: So what! Kann ich aber nicht, weil der Verlust in sportlicher Hinsicht groß ist und der Wechsel gerade zum FCB einen Stich versetzt. Es ist mir egal, aber so wollte ich’s doch nicht haben.

Was hat dich bloß so ruiniert bin ich verleitet, Robert L. zuzurufen.

Um dann doch nüchtern festzustellen, dass ihm in sportlicher Hinsicht kein Vorwurf zu machen ist. Kein eingeschnapptes Verhalten, keine Kampagne (über die Zickerei zu Beginn der Vorsaison sei hinweggesehen, die kam auch primär von den Beratern – er konnte wirklich nicht ernsthaft erwarten, dass wir ihn zu diesem Zeitpunkt gehen lassen), keine lustlosen Auftritte. Wenn seine Leistung insbesondere in der CL nicht an die der Vorsaison heranreicht, dann bewegt er sich damit nur auf dem Niveau des gesamten Teams, das die letzte Drehung des Messers, den double leg slam, den Fangschuss vermissen lässt.

Er wechselt zu dem Team, das ihm eine Titelgarantie geben kann und ihm erlaubt, in Gehaltssphären vorzudringen, die beim BVB derzeit undenkbar sind. Ich muss das nicht verstehen. Kann es aber nachvollziehen.

Und wenn man hört (aus Sekundärquellen, mit mir spricht ja sonst keiner), dass Lewandowski im Team integriert ist, anders als wohl etwa Götze auf seinen letzten Metern (oder sogar schon vorher), dann spricht Einiges dafür, dass er auch die Rückrunde absolut professionell zu Ende spielt.

Wenn ich mir was wünschen darf – Pokalfinale gegen die Bayern. 4:3 für uns nach Verlängerung. Drei Tore Lewandowski. Und danach kein Kuss aufs Wappen aufm Trikot, keine Tränchen, sondern ein Abschied von den Fans im Stadion mit Stil. Ein ehrliches Danke für die gute Zeit und ab.

Ich habe keine Ahnung, wen wir als Ersatz holen; schon jemanden zu finden, der eine vergleichbare Klasse hat, erscheint mir schwer. Und er muss dann auch noch ins Mannschafts- und Gehaltsgefüge passen. Ich habe keine Ahnung, wer das sein könnte. Es wird wohl eher nicht Schieber sein. Und es sollte keiner sein, bei dem die Verhandlungen in der 9 Mio. Region anfangen, die Lewandowski beim FCB wohl erreicht hat. Sicher ist, dass ein Team, dem absolute Leistungsträger wegbrechen, Zeit braucht. Ich werde meinem Verein alle Zeit der Welt geben.

Aber ich werde Lewandowski vermissen. Den stoischen Gesichtsausdruck mit dem leicht hängenden Auge, die körperliche Präsenz, Raumgefühl und Zweikampfstärke, seinen Abschluss. Den Mann, der Real vier Stück einschenkte, der sich auf dem Bierdeckel drehen und gegen 90 Kilo Atzen bestehen konnte. Den Mann, den du immer anspielen konntest, ohne dass der Ball im Anschluss durch den 16er flipperte.

Danke und Tschüß. Wirst dich bei uns immer aufm Platz aufwärmen dürfen.

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