Und dann tut es doch weh

“Vielleicht tut es doch weh
und dann packt dich die Angst.
Manchmal glaubt man beinahe selber,
dass das alles so gehört.
Vielleicht tut es doch weh
und nimmt dir den Schlaf.
Manchmal glaubt man beinahe selber,
dass das alles so gehört.”

Das singen Turbostaat und sie singen nicht über Fußball. Und sie singen schon mal gar nicht über den BVB. Und Lewandowski ist ihnen im Zweifel egal.

Aber mir nicht. Ich wünschte nach sechs Monaten Vorlaufzeit wäre es so, dass ich sagen könnte: So what! Kann ich aber nicht, weil der Verlust in sportlicher Hinsicht groß ist und der Wechsel gerade zum FCB einen Stich versetzt. Es ist mir egal, aber so wollte ich’s doch nicht haben.

Was hat dich bloß so ruiniert bin ich verleitet, Robert L. zuzurufen.

Um dann doch nüchtern festzustellen, dass ihm in sportlicher Hinsicht kein Vorwurf zu machen ist. Kein eingeschnapptes Verhalten, keine Kampagne (über die Zickerei zu Beginn der Vorsaison sei hinweggesehen, die kam auch primär von den Beratern – er konnte wirklich nicht ernsthaft erwarten, dass wir ihn zu diesem Zeitpunkt gehen lassen), keine lustlosen Auftritte. Wenn seine Leistung insbesondere in der CL nicht an die der Vorsaison heranreicht, dann bewegt er sich damit nur auf dem Niveau des gesamten Teams, das die letzte Drehung des Messers, den double leg slam, den Fangschuss vermissen lässt.

Er wechselt zu dem Team, das ihm eine Titelgarantie geben kann und ihm erlaubt, in Gehaltssphären vorzudringen, die beim BVB derzeit undenkbar sind. Ich muss das nicht verstehen. Kann es aber nachvollziehen.

Und wenn man hört (aus Sekundärquellen, mit mir spricht ja sonst keiner), dass Lewandowski im Team integriert ist, anders als wohl etwa Götze auf seinen letzten Metern (oder sogar schon vorher), dann spricht Einiges dafür, dass er auch die Rückrunde absolut professionell zu Ende spielt.

Wenn ich mir was wünschen darf – Pokalfinale gegen die Bayern. 4:3 für uns nach Verlängerung. Drei Tore Lewandowski. Und danach kein Kuss aufs Wappen aufm Trikot, keine Tränchen, sondern ein Abschied von den Fans im Stadion mit Stil. Ein ehrliches Danke für die gute Zeit und ab.

Ich habe keine Ahnung, wen wir als Ersatz holen; schon jemanden zu finden, der eine vergleichbare Klasse hat, erscheint mir schwer. Und er muss dann auch noch ins Mannschafts- und Gehaltsgefüge passen. Ich habe keine Ahnung, wer das sein könnte. Es wird wohl eher nicht Schieber sein. Und es sollte keiner sein, bei dem die Verhandlungen in der 9 Mio. Region anfangen, die Lewandowski beim FCB wohl erreicht hat. Sicher ist, dass ein Team, dem absolute Leistungsträger wegbrechen, Zeit braucht. Ich werde meinem Verein alle Zeit der Welt geben.

Aber ich werde Lewandowski vermissen. Den stoischen Gesichtsausdruck mit dem leicht hängenden Auge, die körperliche Präsenz, Raumgefühl und Zweikampfstärke, seinen Abschluss. Den Mann, der Real vier Stück einschenkte, der sich auf dem Bierdeckel drehen und gegen 90 Kilo Atzen bestehen konnte. Den Mann, den du immer anspielen konntest, ohne dass der Ball im Anschluss durch den 16er flipperte.

Danke und Tschüß. Wirst dich bei uns immer aufm Platz aufwärmen dürfen.

Wem die Glocke bimmelt

Ich komme nicht mehr raus. Und darum in kurzen Worten die unglaubliche Geschichte, wie ich einmal eine Klausur schreiben wollte und eine Glocke bimmelte, ich einen Tag länger leiden musste und in einer Rechtskurve von der Bornholmer Strasse in die Schönhauser Allee einbiegend bei langsamer Fahrt aus der halbgeöffneten Beifahrertür auf den regennassen Asphalt kotzte.

Und das kam so.

Ich habe ja nicht nur ein, sondern gleich zwei Staatsexamina absolviert. Nummer eins 1998 und Nummer zwei 2001. Diese ganze Zeit muss so traumatisierend gewesen sein, dass ich wahrscheinlich Ereignisse aus beiden Schlachten vermische. Mag auch sein ich hatte zu viel von dem Wein gut und fein aus dem Kelch mit dem Elch.

Schlacht ist jedenfalls ein bewusst gewählter Ausdruck. Mir sind solche unwürdigen, beklemmenden und insgesamt in keiner Weise zu geniessenden Momente wie ein Staatsexamen eher erträglich, wenn ich mir vorstelle, ich würde eigentlich gerade eine Heldentat epischen Ausmasses vollbringen und in die Schlacht ziehen, in einen Kampf Mann gegen Mann, ehrlich, männlich, schwitzend. Tatsächlich war der Gegner ein Blatt Papier und ich lediglich mit mehreren Kilo Kommentarliteratur bewaffnet (hier vermischen sich übrigens bereits die Examina zu einem dumpfen Erinnerungsblock, denn bei Nummer 1 gab es nur Gesetze, bei Nummmer 2 auch Kommentare). Alle anderen waren besser vorbereitet, streberhafter und es bringt einem in der U-Bahn zum Justizprüfungsamt einen feuchten Dreck, dass man deutlich lässiger und cooler war als die Fraktion Mazda MX5 und Hérmes-Tüchlein. Es hilft einem da auch nicht, dass man sich über mehrere Jahre in einer Band in Kreuzberger Kneipen selbstverwirklicht hatte.

Aber man hatte die Musik. Ich hatte Boltthrower.

…for Victory

Es sind mehrere Klausuren gewesen und ich schaue jetzt nicht nach, wie viele, ich habe es vergessen und so soll es bleiben. Auf der Fahrt zu jeder Klausur habe ich …for Victory von Boltthrower gehört. Jedenfalls im ersten Examen, beim zweiten war dann schon meine spätere Frau in mein Leben getreten und ich habe denke ich so getan, als ginge ich eben Erdbeeren pflücken und habe Zeitung und die kommentierte Hölderlin-Werksausgabe gegriffen für den Weg ins JPA und nur kurz gerufen “Bis später Schatz!” Ich wollte sie beeindrucken. Ist mir gelungen. Sie ist noch bei mir. Mir war auch das Zwote dann egal, sie war ja da.

Das JPA liegt in Berlin direkt am Rathaus Schöneberg. Das kennt ihr natürlich von der schönsten und berührendsten Darbietung unserer Hymne, vorgetragen vom Walter “Supamolly” Momper, Willy Brandt und Helmut Kohl.

Deutschlandlied / Schöneberger Fassung

Irgendwann 2001 ging die Freiheitsglocke kaputt und musste repariert werden. Ein grosser Tag für die Hauptstadt. Irgendwann war sie wieder heile und musste zurück an ihren angestammten Platz gebracht und dort eingebimmelt werden. Auf dass sie wieder so bimmeln möge:

Freiheitsglocke, bimmelnd

Dieser Bimmeltag war ein Klausurtag. Und weil die Welt uns bereits unerträglich findet, wenn wir noch nicht einmal richtige Juristen sind, sondern nur stocksteife Angeber, hat man uns, als wir bereits alle brav saßen, mitgeteilt, wir könnten wieder nach Hause gehen, die Glocke würde zu laut bimmeln und das Schreiben einer Klausur sei unzumutbar.

Gekotzt habe ich dann mit Astrid im Auto nach der Examensfeier. Und wir haben Tocotronic gehört. Sie ist die tollste Frau der Welt, aber Boltthrower darf ich nicht im Auto hören. Sie sagt aber und so toll ist sie: “Warte, ich fahr langsam und du kotzt halt raus. Landet was im Auto putzt du den Mist selbst weg!” Liebe.

Mehr ist nicht.

Dick: The first thing we do, let’s kill all the lawyers.
Cade: Nay, that I mean to do.
William Shakespeare, Henry the Sixth, Part II

This place looks better from a passenger window

Aus mir wird kein Fan mehr für Erstrundenpokalspiele, die mit achtstündiger Zugfahrt zu erreichen sind. Zunehmend gefällt mir der Beifahrersitz, mögen die Allesfahrer hinterm Steuer Platz nehmen. Immerhin bin ich heute Morgen mit Trikot raus. Zum Bäcker in Giesing. Da wohne ich zwar nicht, aber da ist München blau. Und man bekommt regelmässig ein freundliches Lächeln. Ein der Feind-meines-Feindes-ist-ein-Freund-Lächeln, aber ein Lächeln.

Und echt gezz, ich freue mich auf Wilhelmshaven. Und Augsburg. Und alles, was kommt. Ich freue mich auf Kuba, geschmeidig nach innen ziehend und wünschte, er träfe noch einmal auf Rafinha, um ihm die Gelegenheit zu geben, diesen Was-will-dieser-durchgeknallte-Zwerg-von-mir Gesichtsausdruck aufzusetzen.

Ich freue mich auf Jonas Hofmann (mit 0,6 Mio im Kicker lächerlich unterbewertet) und bin mir sicher, er wird spielen. Viel spielen. Ich staune zwar immer, wie Fussballer heutzutage aussehen; über diesen Drang, sich unbedingt eine Hitlerjugend-Frisur schneiden zu lassen, insbesondere aber darüber, dass es kaum noch Hans-Peter-Briegelige Typen gibt. Guckt euch Jonas Hofmann an: 70 Kilo und spillerig. Mag helfen, technische Fähigkeiten umzusetzen. Ich habe aber auch gerne beim Zusammenprall von Fussball Rhinozerossen zugeschaut.

Ich freue mich unbändig auf Mkhitaryan. Bei ihm bin ich mir sicher, dass er eine fantastische Saison spielen wird. Der Wunsch ist, dass wir uns im Winter fragen: Mario who?

Aubameyang wird noch brauchen. Aber er wird Reus die notwendigen Regenerationsphasen geben können. Und darüber wird sich Reus freuen.

Kevin wird auf die Ansage vom Trainer, er habe jetzt genug Libero gespielt, die nächsten 10 Minuten bitte auf Rechtsaussen und danach den Thiago in Manndeckung nehmen, antworten: “Alles klar, Trainer!” Und darauf freue ich mich.

Und dann haben wir doch einen, der Hans-Peter-Briegelig aussieht: Sokratis. Nicht nur, dass der Vermieter unseres Apartments auf Sifnos meinte, wir hätten jetzt den besten Griechen überhaupt, Malaka, ich freue mich auch, dass wir jetzt einen haben, der nicht die Hektik eines Santana ausstrahlt, sondern eine Gelassenheit, die nur absolute Pessimisten und Grantler als Phlegma bezeichnen würden. Und, Neven, du wirst dich richtig ranhalten müssen.

Keine Lieder über Liebe und keine Worte zu Lewandowski.

Ich wär soweit.

Keine Vater-Tochter-Sache

Es ist ja so, dass ich regelmässig ankündigen muss, wenn unter der Woche Fussball läuft und ich den grossen Fernseher haben möchte. Vergesse ich es, weiss ich ganz genau, dass ich besser ohne dafür gelobt werden zu wollen, einige wesentliche Arbeiten in der Wohnung schnell, sauber und kommentarlos fertigstellen sollte. Die zutreffende Weisheit, dass ein Mann Dinge erledigt, wenn er es versprochen hat und nicht alle sechs Monate erinnert werden muss, die lasse ich dann weg.

Aber Frau und Töchter wissen, wie wichtig mir das Spiel ist und schlussendlich sitze ich dann vorm Fernseher.

Alleine.

Meine Frau verachtet Fussball und achtet meine Leidenschaft. Was eine unglaubliche Kombination ist. “Der letzte Scheiss, aber wenn du ihn so liebst und mit Begeisterung davon erzählen kannst, dann ist das toll.” Ihr muss ich allerdings nichts erzählen. Sie versteht Fussball nicht und will ihn nicht verstehen.

Und die Mädchen? Ach. Sie suchen den Schiedsrichter. “Der passt fei auf, dass sich keiner haut, gell?”

Das Ganze ist ohnehin nur der Vorspann für Erklärung von Zuneigung an den ColliniSue und seinen Blog Wochenendrebellen. Sein Sohn hat Asperger und die Beiden reisen an Wochenenden mit der Bahn durch die Republik und schauen sich Fussballspiele an auf der Suche nach dem Team für den Sohn. Ich bin mir sicher, er wird den BVB finden. Und wenn es K’lautern ist oder der BFC Dynamo, dann ist es halt so. Asperger ist das Eingangsthema des Blogs und dann doch im Verlauf keins mehr. Dort wird mit Witz, Chuzpe und intelligent von den Reisen, dem Sohn und dem Leiden und Lieben des Vaters erzählt.

Im Ernst: Lest das.

This is how I do it

Es ist in der Tat ein sehr unterhaltsamer und aufschlussreicher Fragebogen, den die Patschbella hier initiiert hat.

Ich möchte ihn auch beantworten. Und das geht so:

Blogger-Typ:
Erst im Spätherbst angefangen. Meiner Adoleszenz und des Jahres 2012. Und ich blogge so, wie ich auch in der Kneipe erzähle. Etwas sorgfältiger formuliert, aber die Geschichten, die ich auch beim Bier gerne erzähle und erzählt bekomme.

Und ich finde es unfassbar viel einfacher über Fussball zu bloggen als über irgendein anderes Thema.

Gerätschaften digital:
Geschrieben wird dies hier zu Hause auf einem Sony Vaio netbook. Oder in Ausnahmefällen im Büro auf einem hp elitebook. Gelesen wird von mir über ein htc one, kommuniziert auch über ein Blackberry.

Ich habe eine PS3 und eine Vita. Erstere im Wohnzimmer und da müssen die Kinder raus, wenn ich spiele, letztere im Kinderzimmer und da muss ich meist raus, wenn die Kinder spielen.

Fotos mache ich mit einer Nikon D3100. Ich könnte das gerne besser.

Gerätschaften analog:
Bis ich in die Kiste fahre, werde ich drölfzig Meter Billy-Bücherregale mitschleppen. Wenn meine Kinder die dann nicht mehr wollen, bitteschön. Aber bis dahin werden die bis zur letzten Patrone verteidigt.

Und ich schreibe mit einem Füller. Wenn ich ihn finde.

Arbeitsweise:

Was ich blogge entwerfe ich im Regelfall auf der Heimfahrt von der Arbeit auf dem Rad. Thema, Grundgedanken und der Rest kommt beim Schreiben. Ich mache mir keine Vorgaben über die Häufigkeit von Neuem.

Welche Tools nutzt du zum Bloggen, Recherchieren und Bookmark-Verwaltung?
Keine. Ich habe davon schlicht keine Ahnung. Ich bin schon froh, wenn ich in WordPress unfallfrei verlinken kann.

Wo sammelst du deine Blogideen?
Im Kopf.

Was ist dein bester Zeitspar-Trick/Shortcut fürs Bloggen/im Internet?
Ich habe keine Ahnung, was damit gemeint ist. Es geht schneller, wenn die Kinder im Bett sind und ich nicht noch Wäsche zusammenlegen muss. Ist sowas gemeint?

Benutzt du eine To-Do List-App? Welche?
Keine.

Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät ohne das du nicht leben kannst?
Ich muss ein Gerät haben, das Musik in vernünftiger Qualität abspielt. Und ich mag diese Sandwich-Maschinen, wo man zwischen zwei Toast alles reinstopfen kann und dann schweisst diese Maschine alles zusammen und toastet es gleichzeitig. Wahnsinnsteil. Aber braucht man wohl nicht zum Leben.

Gibt es etwas, das du besser kannst als andere?
Beim Bloggen? Bestimmt nicht. Im Leben? Mit Sicherheit. Man muss nur immer im Hinterkopf behalten, dass es immer jemand gibt, der eine spezifische Tätigkeit besser kann.

Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?
Musik mit Gitarre. Zur Zeit sehr viel neuer deutscher Punk wie Love A, duesenjaeger, Captain Planet.

Wie ist dein Schlafrhythmus – Eule oder Nachtigall?
Ich bin immer der erste im Büro. Zwischen 07:30 und 08:00 Uhr. Gehe aber auch früh.

Eher introvertiert oder extrovertiert?
Viele würden sagen extrovertiert. Stimmt einerseits, weil ich laut sein kann und eher nicht in der Ecke sitze. Andererseits kennen nur Wenige die dunklen Gräber in meinem Herzen.

Wer sollte diese Fragen auch beantworten?
Hmmm.

Der beste Rat den du je bekommen hast?
Juli 1999. Janek und Markus raten mir dringend auf eine Party zu gehen. Dort treffe ich meine jetzige Frau. Und verliebe mich. Auf der Party bereits.

Noch irgendwas wichtiges?
Checkliste: Wäre es peinlich es deinen Eltern zu erzählen? Dürfen deine Kinder es in 10 Jahren im Netz noch finden? Ansonsten ist Bloggen niemals peinlich.

Am Montag: Grossartig

Jetzt geht es. Am Montagmorgen ist tatsächlich diese erste Enttäuschung, diese tiefe, atemraubende und rückgratbrechende Enttäuschung überwunden. Wir hatten das Glück, einen BVB zu sehen, der eine unfassbare CL Saison gespielt hat. Wenn ich auch gerne die Klappe aufreisse, ich habe im August letzten Jahres nicht ansatzweise daran geglaubt, im Mai in Wembley zu stehen. Die Gruppenauslosung hat zu Schnappatmung geführt. Denn so sehr ich die Ereignisse der vorangegangenen CL Saison erklären kann, so wenig wollte ich dies noch einmal tun. Nicht, weil Schalke, Bayern und viele andere nicht über uns lachen sollten, sondern weil ich lachen wollte.

Und Junge, ich habe gelächelt, als unser Team in London den Rasen betreten hat. Die Anspannung war weg und ich fand es grossartig. Auch hier in München mit 400 Fans, singend. Und diese ersten 25/30 Minuten, ich habe um mich herum in erstaunte Gesichter gesehen, weil wir es so geil gar nicht erwartet hatten. Anlaufen der Gegner, Zustellen der Laufwege, Offensivpressing, Isolierung von Ribery, alles funktionierte. Und dann sahen ein Kumpel und ich uns an und sagten fast zeitgleich dasselbe: The light that burns twice as bright burns half as long. Wir näherten uns mit Riesenschritten der Treibstoffreserve. Hätten wir zwei Tore gemacht und danach den Bus geparkt, es hätte gut gehen können. Aber wäre meine Oma ein Bus, könnte sie hupen.

Die Bayern passten sich an, Robben doppelte auf links und dann lief es so, wie es sich die Bayern vorher sicher nicht vorgestellt haben, aber sie spielten es halt abgezockt nach Hause. Seien wir ehrlich: Eine Saison wie ein Monolith für die Bayern. Und darum bei mir auch gar keine Frustration, dass wir nach dem Kippen des Spiels keinen Plan B gefunden haben. Es gab ein Mittel gegen die Bayern, wie die ersten 25/30 Minuten gezeigt haben. Aber wohl eben nur dieses Eine. Nutze ich dann die Chancen nicht, rollen dann halt die 2013er Bayern. Ich legte mich anderenorts schon fest: Bei jedem anderen Gegner wäre die Chance auf den Henkelpott grösser gewesen.

Auch wenn Kehl am Anschlag war, so glaube ich dennoch nicht, dass Sahin mehr Kontrolle in die letzten 20 Minuten gebracht hätte. Ein gesunder Götze ohne die Belastung des Wechsels, der hat uns gefehlt. Wir haben eine erste Elf, vielleicht eine erste 13/14, aber danach kommen halt die Leitnardos im Kader. Die ich alle behalten und entwickeln möchte, die du aber in einem CL Finale nicht bringen kannst.

We need a bigger boat.

Es bleibt: Real Madrid. Das Heimspiel war das Beeindruckendste, was ich vom BVB seit langer, langer Zeit gesehen habe und mit einem Lewandowski nicht von dieser Welt. Eine Demonstration eines Reife- und Lernprozesses der Mannschaft, die mich nachhaltig beeindruckt hat. Die Entwicklung seit der ersten CL Saison unter Klopp war aussergewöhnlich. Innerhalb eines Jahres wurden entscheidende Justierungen vorgenommen und die Fehler beseitigt , die uns letzte Saison noch die Niederlagen gebracht haben.

Und Malaga. Wann bekommt man in seinem Fanleben so etwas zu sehen? Es sind nicht Sheringham und Solskjær, die einem die Luft zum Atmen nehmen und den Boden unter den Füssen wegreissen, es ist das eigene Team, das Momente für die Fanewigkeit erzwingt. In einem CL-Viertelfinale erlebt man das einmal im Fanleben. Wenn überhaupt. Dieser Moment wird auch nicht ansatzweise durch die Tatsache getrübt, dass Felipe durchs Abseits mäanderte und stocherte. So heilig bin ich nicht. Es dürfen dagegen alle über Nobby Dickels 5 Minuten lächeln, ich höre sie heute noch gerne. Wir haben den grossartigsten Kirmesansager als Stadionsprecher und ich finde das super. Muss man nicht, aber Nobby D. verschont das Stadion vor Danke! Bitte! Allein dafür gehören ihm Kränze geflochten und seine kaputten Knochen mit Liebe massiert.

Ich will da wieder hin. Wenn nicht Lissabon (wir müssen ja noch ein paar Neue integrieren), dann wäre Berlin aber sowas von der richtige Ort. Wissta ja, komm ick her.

Schliesslich mein Dank an Team und Trainer für einen grossen Auftritt in der Niederlage. Kann nicht jeder.

Für Peter, der eine geile Zeit in London hatte. You fuckin’ deserved it.

Reh, Giggs, Malaka.

Es war Ostern. Schwiegereltern sind da, man darf mittags zum Reh mit sensationeller Sauce schon ohne tadelnde Blicke Rotwein trinken, die Kinder haben Eier gesucht. Ich hörte mit Kuchen übersättigt eine Runde Iron Maiden. Ein Traum von Feiertag.

Und Schmelzer hat einen Nasenbeinbruch und soll sich bitte nicht so anstellen.

Männersport. Kein Hallenhalma. Wer das nicht abkann, soll halt gehen. Ihr aber selber. Unendlich mal doofer plus eins!

Es ist so ermüdend. Woher haben diese Jungs, die durchgehend Justin Bieber, Pur und R. Kelly hören, eigentlich diesen Macho-Wahn. Ich meine, wenn man alle Hatebreed Alben am Stück hört, dann mag man so eine Attitüde entwickeln. Aber doch nicht so.

Gleichwohl bin ich froh, dass wir Stuttgart erst wieder nächste Saison spielen und jetzt Málàgâ. Ich bin ja erstaunlich tiefenentspannt. Nicht nur weil ich uns ausgezeichnete Chancen aufs Weiterkommen ausrechne, sondern auch weil selbst bei einem Ausscheiden die Saison ok ist. Und nach zweimal grandios kann einmal ok kommen. Es mag natürlich auch sein, dass ich schlicht keine Ahnung habe, was mit Mâlágá auf einen zukommt. Bei allen anderen potentiellen Gegnern hätte ich eine ziemlich eindeutige Vorstellung gehabt. Hier weiss ich zB nur, dass ein durch Gaffatape zusammengehaltener Santa Cruz und ein Demichelis bei Màlàgà spielen. Und das wird nicht reichen.

Schön auch der griechische Kumpel, der mir mit zwei Worten zum Los gratulierte: Malaga, Malaka.

Und ich bin 40 geworden. Ryan Giggs noch nicht. Dafür war Ryan nicht zum Fehlpass Podcast eingeladen. Ich schon. Ätsch. Ist natürlich gut geworden, obwohl ich dabei war. Die anderen verstehen halt was von Fussball. Hat man nicht so oft bei Bayern Fans.

Back to the Fuck Yeah.

Und der Heinzkamke schreibt hier wunderbar zutreffende Worte über Götze. Ihn wie mich irritiert und verblüfft die Leichtigkeit. Und die scheinbare Leichtigkeit. Dieser Moment, wenn man denkt, wieso hat der Götze da auf einmal 3m Raum um zu passen um dann zu realisieren, dass er sich den raum selbst geschaffen hat durch die richtige Bewegung im richtigen Moment.

Auberginen sind für mich gestorben.

Ich fritiere, ich dünste, ich backe, ich grille, und neuerdings nutze ich sogar ADN (Advanced Dampf Nahrungsmittelerhitzer). ADN ist so etwas wie blanchieren, nur dass es 36mal so gesund ist. All diese Aktivitäten in der Küche betreibe ich, weil ich als Ehemann und Vater erreichbar sein will und meinen Beitrag leisten möchte. Insbesondere koche ich, weil es auch viele Journalisten und Kollegen tun. Der kleine Plausch beim Kochen und Grillen dürfte gerade bei fleischaffinen Journalisten und Politikern die SMS abgelöst haben.

Kochen ist ein Versprechen: dauerhafte Verfüg- und Erreichbarkeit sowie die Möglichkeit, potentiell unendlich groß Mengen Fleisch und Fritten zu essen. Mittlerweile habe ich 22.500 Gerichte zubereitet, was man beachtlich finden kann. Oder auch nicht. Der hauseigene Analysedienst Koch-Analytics brachte mich auf die Frage, ob Kochen überhaupt etwas bringt. Koch-Analytics zeigt mir an, wie oft ein Gericht, das ich zubereite, tatsächlich gegessen wird. Ernüchternde Erkenntnis: Mir mögen zwar 22.500 Gerichte gelungen sein, aber im besten Fall werden 2.000 von dern Gerichten gegessen, die ich anbiete. Im Durchschnitt irgendetwas um die 500. Große Imbisse haben eine Auflage von mehr als 350.000 Würstchen. Selbst bei der konservativsten Rechnung, dass nur ein Prozent der Kunden überhaupt bis zum Imbiss gekommen ist und ein Würstchen verzehrt, wären das noch immer mehr, als auf meine Gerichte abfahren. Wenn ich in einer Kochsendung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sitze, erreichte ich sogar ein Millionenpublikum.

Wer profitiert von dieser permanenten Kochschau?

Dafür kostet mich Kochen Zeit. Jeden Tag geht, seit Mitte 2009 grob gerechnet, mindestens eine Stunde dafür drauf. Das sind 166 Acht-Stunden-Arbeitstage seit 2009, die ich nur mit Kochen verbracht habe. Wenn jedes meiner 60.000 Gerichte die Maximalkomplexität gehabt hätte, käme ich auf ungefähr 800 Menüs zu je rund 10.000 Bissen; das sind mehr als zwei Löwen!

Dafür kostet mich Kochen Nerven. Jeden Tag aufstehen und mindestens einen doofen Kommentar, eine Beleidigung durch die Familie ertragen. Seit ich Hobbykoch bin, habe ich mehr als 500 Essen weggeschmissen, das heißt, diese können mir nicht mehr folgen, und wenn sie einmal weggeworfen sind, sehe ich sie nicht mehr. Man stelle sich vor, ich hätte in einem Jahr 500 freiwiligge Esser finden müssen, Menschen, die sich mir nähern oder mit mir kommunizieren. Dadurch entsteht sozialer Stress. Menschen kochen wähend ihrer Depressionen, sie Kochen im Affekt Ungeniessbares, Dinge, die ich nicht essen möchte. Wenn ich diese Menschen abkoppele, muss ich mich dafür ihnen gegenüber rechtfertigen. Jetzt wird ein Koch-Experte dazwischenrufen: „Aber du kannst sie doch für einen Zeitraum X einfach nicht mehr einladen!“ Ja, sage ich, aber will ich das? Warum soll ich als Koch auf einmal eine Filterleistung vollbringen, die ich mir eigentlich vom Gast wünsche? Ist es zu viel verlangt, dass sich alle, egal, in welcher Kommunikationsform, vorm Essen folgende drei Fragen stellen: Muss es gesagt werden? Muss es jetzt gesagt werden? Muss es jetzt von mir gesagt werden? Und: Welcher Mehrwert entsteht denn durch diese permanente Nabelschau beim Kochen konkret und für wen?

Diese Frage treibt mich um, ich habe aber keine Lust, sie hier zu vertiefen. Wenn eine seriöse Tageszeitung kommt, überlege ich es mir noch einmal. Jetzt gilt es noch zu liefern, an die Ina Steinbach. Warum verachte ich Auberginen? Es ist einfach schleimiges Gelumpe, das in keiner Zubereitungsform Geschmack annimmt. Aussen zähe Lederpelle, innen Pampe. Ich habe versucht, sie hauchdünn zu schneiden und mit Fleur de Sel und Zitrone zu grillen. Mit dem Ergebnis, dass ich mich gefragt habe, warum nehme ich nicht gleich eine Paprika? Ich habe versucht, sie in einem Ratatouille so geschickt unterzumischen, dass man sie nicht bemerkt mit der Folge, dass sich beeindruckende Restepyramiden auf den Tellern von Kind 1, Kind 2 und mir gebildet haben. Ich möchte das nicht.