Reh, Giggs, Malaka.

Es war Ostern. Schwiegereltern sind da, man darf mittags zum Reh mit sensationeller Sauce schon ohne tadelnde Blicke Rotwein trinken, die Kinder haben Eier gesucht. Ich hörte mit Kuchen übersättigt eine Runde Iron Maiden. Ein Traum von Feiertag.

Und Schmelzer hat einen Nasenbeinbruch und soll sich bitte nicht so anstellen.

Männersport. Kein Hallenhalma. Wer das nicht abkann, soll halt gehen. Ihr aber selber. Unendlich mal doofer plus eins!

Es ist so ermüdend. Woher haben diese Jungs, die durchgehend Justin Bieber, Pur und R. Kelly hören, eigentlich diesen Macho-Wahn. Ich meine, wenn man alle Hatebreed Alben am Stück hört, dann mag man so eine Attitüde entwickeln. Aber doch nicht so.

Gleichwohl bin ich froh, dass wir Stuttgart erst wieder nächste Saison spielen und jetzt Málàgâ. Ich bin ja erstaunlich tiefenentspannt. Nicht nur weil ich uns ausgezeichnete Chancen aufs Weiterkommen ausrechne, sondern auch weil selbst bei einem Ausscheiden die Saison ok ist. Und nach zweimal grandios kann einmal ok kommen. Es mag natürlich auch sein, dass ich schlicht keine Ahnung habe, was mit Mâlágá auf einen zukommt. Bei allen anderen potentiellen Gegnern hätte ich eine ziemlich eindeutige Vorstellung gehabt. Hier weiss ich zB nur, dass ein durch Gaffatape zusammengehaltener Santa Cruz und ein Demichelis bei Màlàgà spielen. Und das wird nicht reichen.

Schön auch der griechische Kumpel, der mir mit zwei Worten zum Los gratulierte: Malaga, Malaka.

Und ich bin 40 geworden. Ryan Giggs noch nicht. Dafür war Ryan nicht zum Fehlpass Podcast eingeladen. Ich schon. Ätsch. Ist natürlich gut geworden, obwohl ich dabei war. Die anderen verstehen halt was von Fussball. Hat man nicht so oft bei Bayern Fans.

Back to the Fuck Yeah.

Und der Heinzkamke schreibt hier wunderbar zutreffende Worte über Götze. Ihn wie mich irritiert und verblüfft die Leichtigkeit. Und die scheinbare Leichtigkeit. Dieser Moment, wenn man denkt, wieso hat der Götze da auf einmal 3m Raum um zu passen um dann zu realisieren, dass er sich den raum selbst geschaffen hat durch die richtige Bewegung im richtigen Moment.

Auberginen sind für mich gestorben.

Ich fritiere, ich dünste, ich backe, ich grille, und neuerdings nutze ich sogar ADN (Advanced Dampf Nahrungsmittelerhitzer). ADN ist so etwas wie blanchieren, nur dass es 36mal so gesund ist. All diese Aktivitäten in der Küche betreibe ich, weil ich als Ehemann und Vater erreichbar sein will und meinen Beitrag leisten möchte. Insbesondere koche ich, weil es auch viele Journalisten und Kollegen tun. Der kleine Plausch beim Kochen und Grillen dürfte gerade bei fleischaffinen Journalisten und Politikern die SMS abgelöst haben.

Kochen ist ein Versprechen: dauerhafte Verfüg- und Erreichbarkeit sowie die Möglichkeit, potentiell unendlich groß Mengen Fleisch und Fritten zu essen. Mittlerweile habe ich 22.500 Gerichte zubereitet, was man beachtlich finden kann. Oder auch nicht. Der hauseigene Analysedienst Koch-Analytics brachte mich auf die Frage, ob Kochen überhaupt etwas bringt. Koch-Analytics zeigt mir an, wie oft ein Gericht, das ich zubereite, tatsächlich gegessen wird. Ernüchternde Erkenntnis: Mir mögen zwar 22.500 Gerichte gelungen sein, aber im besten Fall werden 2.000 von dern Gerichten gegessen, die ich anbiete. Im Durchschnitt irgendetwas um die 500. Große Imbisse haben eine Auflage von mehr als 350.000 Würstchen. Selbst bei der konservativsten Rechnung, dass nur ein Prozent der Kunden überhaupt bis zum Imbiss gekommen ist und ein Würstchen verzehrt, wären das noch immer mehr, als auf meine Gerichte abfahren. Wenn ich in einer Kochsendung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sitze, erreichte ich sogar ein Millionenpublikum.

Wer profitiert von dieser permanenten Kochschau?

Dafür kostet mich Kochen Zeit. Jeden Tag geht, seit Mitte 2009 grob gerechnet, mindestens eine Stunde dafür drauf. Das sind 166 Acht-Stunden-Arbeitstage seit 2009, die ich nur mit Kochen verbracht habe. Wenn jedes meiner 60.000 Gerichte die Maximalkomplexität gehabt hätte, käme ich auf ungefähr 800 Menüs zu je rund 10.000 Bissen; das sind mehr als zwei Löwen!

Dafür kostet mich Kochen Nerven. Jeden Tag aufstehen und mindestens einen doofen Kommentar, eine Beleidigung durch die Familie ertragen. Seit ich Hobbykoch bin, habe ich mehr als 500 Essen weggeschmissen, das heißt, diese können mir nicht mehr folgen, und wenn sie einmal weggeworfen sind, sehe ich sie nicht mehr. Man stelle sich vor, ich hätte in einem Jahr 500 freiwiligge Esser finden müssen, Menschen, die sich mir nähern oder mit mir kommunizieren. Dadurch entsteht sozialer Stress. Menschen kochen wähend ihrer Depressionen, sie Kochen im Affekt Ungeniessbares, Dinge, die ich nicht essen möchte. Wenn ich diese Menschen abkoppele, muss ich mich dafür ihnen gegenüber rechtfertigen. Jetzt wird ein Koch-Experte dazwischenrufen: „Aber du kannst sie doch für einen Zeitraum X einfach nicht mehr einladen!“ Ja, sage ich, aber will ich das? Warum soll ich als Koch auf einmal eine Filterleistung vollbringen, die ich mir eigentlich vom Gast wünsche? Ist es zu viel verlangt, dass sich alle, egal, in welcher Kommunikationsform, vorm Essen folgende drei Fragen stellen: Muss es gesagt werden? Muss es jetzt gesagt werden? Muss es jetzt von mir gesagt werden? Und: Welcher Mehrwert entsteht denn durch diese permanente Nabelschau beim Kochen konkret und für wen?

Diese Frage treibt mich um, ich habe aber keine Lust, sie hier zu vertiefen. Wenn eine seriöse Tageszeitung kommt, überlege ich es mir noch einmal. Jetzt gilt es noch zu liefern, an die Ina Steinbach. Warum verachte ich Auberginen? Es ist einfach schleimiges Gelumpe, das in keiner Zubereitungsform Geschmack annimmt. Aussen zähe Lederpelle, innen Pampe. Ich habe versucht, sie hauchdünn zu schneiden und mit Fleur de Sel und Zitrone zu grillen. Mit dem Ergebnis, dass ich mich gefragt habe, warum nehme ich nicht gleich eine Paprika? Ich habe versucht, sie in einem Ratatouille so geschickt unterzumischen, dass man sie nicht bemerkt mit der Folge, dass sich beeindruckende Restepyramiden auf den Tellern von Kind 1, Kind 2 und mir gebildet haben. Ich möchte das nicht.

Kein Tabubruch

Es ist kein Tabubruch, wenn der eigene Fanbetreuer angegriffen wird. Es ist noch nicht einmal besonders verwunderlich. Es ist lediglich Ausdruck der menschenverachtenden Gesinnung, des unbändigen Drangs zu Gewalt und des ständigen Gefühls, einem selber ging es schlecht, weil andere zu Unrecht besser gestellt seien.

Der Tabubruch ist der erste tätliche Angriff auf einen Menschen, die Herabwürdigung des vermeintlichen Gegners und Feiern der eigenen Helden, der Tabubruch besteht schon in der Duldung von Nazistrukturen im Ordnungsdienst. Sollte erst der Angriff auf Jens und Thilo dazu führen, dass das Problem in seiner ganzen Tragweite bekannt wird, dann ist es zu spät. Vielleicht nicht zu spät, um Maßnahmen zu ergreifen, aber zu spät. Dann man hat die Angriffe auf Menschen (nicht nur im Stadion) in Dortmund viel zu lange hingenommen.

Und so ehrenwert ein Banner wie “Borussia verbindet Generationen, Männer und Frauen, alle Nationen!” auch gemeint sein mag, es zeugt von erschreckend geringer Weitsicht und von Naivität. Es geht hier nicht um Nationen, es geht um Rassismus, der sich einen Dreck um Personalausweise schert, es geht nicht um Altersdiskriminierung (was zum Teufel suchen die Generationen auf dem Banner?) und es geht jetzt nicht primär um Sexismus (der leider immer präsent ist im Stadion).

Ein Slogan im besten FIFA oder IOC Duktus ist unfassbar wenig hilfreich. Benennt das Problem! Es stehen Faschisten und Neonazis auf den Rängen, die ihre Politik natürlich auch ins Stadion tragen. Nennt sie so. Und steht dazu, dass wir ein Nazi-Problem haben in der Stadt und im Verein. Schiebt es nicht auf die Ultras, nennt nicht Pyrotechnik in einem Atemzug, sondern benennt die Neo-Nazis als das entscheidende Problem.

Wenn man sich vielleicht auch damit abfinden muss, dass man im Stadion eben nicht nur politische Übereinstimmung findet und ein gewisses Maß an dumpfen Emotionen zähneknirschend akzeptieren lernen muss, so will ich das U-Bahnlied einfach nicht mehr hören, ich will keine Nazibanner im Stadion sehen und ich möchte diese Arschlöcher nicht in meinen Farben sehen. Wenn ein solcher Konsens nicht erzielt werden kann, fürchte ich, muss ich irgendwann meinen Abschied nehmen.

Alles Gute für Thilo und Jens, die für uns und den Verein enorme Arbeit leisten. Kein Fussbreit den Faschisten.

Update: Ausweislich der neuen Stadionordnung behält sich der BVB vor, Personen, “die links- und/oder rechtsradikalen Parteien, Vereinigungen oder Organisationen angehören” mit einem Stadionverbot zu belegen. Gleiches gilt für Mitglieder der rechts- oder linksradikalen Szene”. Sie haben nicht gelernt. Ich kann mir schon vorstellen, dass Watzke kein grosser Freund autonomer linker Projekte ist, aber diese Gleichstellung macht mich fertig. Wie angesichts dieser Fakten Die Zeit – Todesopfer rechter Gewalt über eine linksextreme Gefahr auch nur ansatzweise gesprochen werden kann, ich kann es einfach nicht nachvollziehen und mir nur durch Denkblockaden und Desinteresse erklären. Es gibt insbesondere im Stadion schlicht keinerlei Bedrohung durch linksextreme Fans.

Radlmusi

Ich fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit. Ziemlich regelmässig sogar, es sei denn es regnet wirklich richtig. Ich brauche dafür morgens ca. 35 Minuten und abends 27 Minuten. Bestzeit sind 23 Minuten. Morgens gemütlich um nicht völlig durchgeschwitzt im Büro aufzuschlagen. Ist nämlich weniger kernig männlich als allgemein angenommen.

Und ich dachte mir, wo ich schon mit 2012 abrechne und es kaum erwarten kann, bis 2013 so richtig losgeht mit der Abbuchung der KfZ-Steuer als originäres Startsignal, schaue ich doch mal, was ich auf dem Rad so gehört habe. Es wurde schon viel gelacht darüber, dass ich Helm trage, so eine neongelbe Sicherheitsweste und auf Reflektoren in den Rädern achte, dabei aber einen Schwung zu laut Musik höre. Aber Scheisse nochmal, wo denn sonst? Im Auto sind die Kinder, die Converge oder Sludge-Metal nichts abgewinnen können und Frau Vogel, die irritiert schaut. Zu Hause läuft Fuchs und Rübe oder das Lied vom IIIEEEEEEEEEEK wenn Kind Zwo die Nadel über die Platte schiebt.

Und die moderne Technik ermöglicht ja das genaue Mitzählen. Darum hier die 5 6 meistgehörten Songs aufm Rad in 2012:

Nummer 6: Propagandhi – Dear Coach’s Corner

Es geht um Hockey. Aber eigentlich um jeden Sport. Chris Hannah hat wie oft einfach recht. 12mal gehört.

Nummer 5: La Dispute – King Park

Darf man nicht zu oft hören. Der Text macht mich sonst zu fertig. 14mal gehört.

Nummer 4: Crowbar- Cemetery Angels

Mutter aller Breakdowns bei 2:20. Lasst dicke Metaller um mich sein! 14mal gehört.

Nummer 3: Alexisonfire – Sons of Privilege

Vorneraus. Sänger macht jetzt allerdings auf Singer- und Songwriter. Schwierig. 17mal gehört.

Nummer 2: Bonnie “Prince” Billy – Death to Everyone

Der beste Song von einem Wahnsinnsalbum. Aber völlig überraschend so weit vorne. Anscheinend bin ich morgens dann doch depressiver als ich dachte. 21mal gehört.

Nummer 1: Captain Planet – Pyro

War mir klar. Erst im Herbst erschienen, für mich aber Album des Jahres. Auf super heavy rotation. Grandioser Song. Wirklich. Und 33mal gehört.

Hey ho let’s go, 2013.

Winter is coming

Es gibt keine Causa Stark. Es gibt einen Status des BVB, der mir nicht gefällt.

Vorneweg sei aber erlaubt (und dass ist ja das Tolle am eigenen Blog, ich muss es mir nur selbst erlauben, also ab dafür) kurz ein “Die Anderen aber auch und im Zweifel immer noch schlimmer” einzuschieben. Man stelle sich einmal kurz vor, es sei 2011 und Philipp Lahm hätte auf der Linie gestanden. Uli Hoeneß wäre kurz vor der Kernschmelze, grantelnd, was ich immer gut vertragen kann. Rummenigge aber würde im Zweifel unter der Gürtellinie austeilen, giftig und rechthaberisch. Und die gesamte Führung würde ihre Buddys in der Presse losschicken, um mal ein Meinungsbild zu formen.

So in etwa: “Eines ist ganz klar: Dass die Schiedsrichter im Zweifelsfall immer gegen Bayern pfeifen”

Boris Rupert hat einen zu Recht sehr schnell wieder offline genommenen Text (bewusst kein Link) veröffentlicht, der schlicht peinlich war. Vielleicht sogar mehr als das. Jedenfalls aber war er weinerlich und voller Versuche, das fussballerische Schicksal des BVB durch eine Schiedsrichter-Verschwörung zu erklären. Auf diesen Text schiessen sich jetzt einige ein. Zu recht, auch wenn ich wünschte er würde von uns BVB Fans angegriffen und nicht von Fans anderer Vereine, bei denen 14 Punkte Vorsprung offensichtlich dazu führen, wieder einmal draufzuhauen. Mag sein, dass beim FCB ein solcher Text nicht erschienen wäre. Was mit einiger Sicherheit aber auch daran liegt, dass dort bis vor kurzem noch BTX für Social Media gehalten wurde. Vor allem aber liegt es daran, dass beim Bayern aufgrund des Fehlens einer gewachsenen und lebendigen Verbindung zwischen Verein und Fans letztere niemals an die Tasten gelassen würden, um auf der offiziellen Homepage etwas zu schreiben. Und Boris Rupert ist vor allem das, ein Fan. Erlaube ich Fans und deren Organisationen Einfluss, mache ich mich angreifbar. Mich würde nicht wundern, wenn Uli H. die angesprochene Veröffentlichung zum Anlass nimmt, darauf hinzuweisen, dass bitteschön beim FC Bayern alles so bleiben müsse wie es ist.

Nach dem Vorklapp die ganz kurze Feststellung: Wir haben das Spiel verloren. Nicht Stark. Die rote Karte hat Momentum zerstört, aber das Toreschiessen hat sie uns nicht verboten. Wir sollten in der Lage sein auch mit 10 Mann läuferisch mitzuhalten und Chancen zu erarbeiten. Es war Wolfsburg. In der zweiten Halbzeit habe ich keine zwingende Aktion gesehen und das nervt mich. Ich mag es nicht, dass wir ein Mittelfeld vom Platz 2 bis 15 haben. Ich mag da oben sein. Und ich will Spiele gegen Wolfsburg gewinnen, immer. Leider ist ein Moritz Leitner noch nicht soweit, um in solchen Spielen jederzeit (oder fast immer) das Richtige zu tun. Da fehlen dann Bender und Kehl doch sehr. Hummels hätte ich dann auch gerne auf der Sechs gesehen, was aber nicht möglich war, hätte dann doch Santana alleine in der Mitte gestanden. Es könnte sein, dass wir ironischerweise mit zu viel fussballerischem und mentalem Elan und Ehrgeiz nach dem Rückstand gespielt haben. Sonst immer ein Pluspunkt, könnte es sein, dass uns in solchen Spielsituationen dieser Wille auf die Füsse fällt und den Blick auf die einfachen Situationen und Lösungen verstellt.

Update:: Das was Helmi im Kommentar sagt. Mehr Souveränität unter Beibehaltung der Club-Identität. Wir sollten uns weder von den Bayern, noch von Schiedsrichtern aus der Ruhe bringen lassen. Wir machen viel, viel richtig.

Für mehr Roth.

Ich muss mal wieder zu den Waffen greifen. Und dieses Fussball und Zeugs Blog zweckentfremden, um ein paar Zeilen lang meinen Unmut loszuwerden.

Ich ertrage es nicht, welche Kübel Häme und Spott (natürlich immer untermalt von sexistischen Untertönen) über Claudia Roth ausgekippt werden. Nicht nur von Parteifreunden (Hier wird immer gelten: Feind, Todfeind, Parteifreund), sondern von Aussenstehenden.

Von Leuten, deren letzte dezidiert politische Handlung die Wahl des Schülersprechers in der hessischen oder ost-westfälischen Provinz war. Oder von stromliniengeformten, von jedem Charisma befreiten Karrierepolitikiern (oder solchen, die sich dazu berufen fühlen), die als Ausdruck der Revolte mit 15 in die JU eingetreten sind.

Ja, Claudia Roth kann nerven, ihre Penetranz und Stimmlage schwer erträglich sein. Aber wie abgebrüht muss man sein, um sich über Claudia Roth mit einer missionarischen Inbrunst aufzuregen, aber – es folgt ein beliebiges Beispiel – sich nicht vernehmilich in der Öffentlichkeit zu der Tatsache zu äußern, dass an der Aussengrenze der EU die Leute zu Hunderten elendig ersaufen? Ich jedenfalls habe nicht wahrgenommen, dass die letztere Tatsache ähnliche Emotionen hervorruft.

Was also ist an Claudia Roth so schlimm? Will man eventuell auf Mißstände und Versäumnisse, auf das Wegsehen und Ignorieren gar nicht hingewiesen werden? Nach dem Motto: wir können uns leider jetzt nicht um Asylanten kümmern (unterschwellig: was wollen die ganzen Leute hier?), wir müssen den Euro retten. Für moralische und ethische Leitlinien ist jetzt kein Platz. Wir können jetzt, leider, leider nichts machen, aber hier sind 50 Cent, kaufst du dir ne Schokolade von.

Ich krieg nen Hals, wenn man mitleidig seufzt und ausführt, diese Flowerpower Tante habe nicht verstanden, wie die Welt wirklich tickt. Mag sein. Schon mal daran gedacht, dass es vielleicht gerade darum geht , bestimmte Wirkmechanismen zu durchbrechen? Durchgeknallter Finanzkapitalismus anyone? Hallo Arschkrampen, hallo Junta Chefs, hallo religiöse Fanatiker, ich werde immer gegen eine Welt opponieren, die so tickt, wie ihr es euch wünscht. Und habe gerne eine Claudia Roth an meiner Seite. Auch wenn das bedeutet, dass man auf der Seite, wo sie neben einem steht Ohrenstöpsel braucht.

Ich kann nur hoffen, dass die ganzen Roth-Verächter im Stillen an Jack Nicholson in Eine Frage der Ehre erinnert werden. Und eigentlich wollen, dass Claudia Roth da auf dieser Mauer steht und den Code Roth auslöst. Sie sollten dann aber die Fresse halten und den Euro retten, Bahnlinien planen, Steuergesetzgebung betreiben oder was anderes realpolitisches und sich jedes Kommentars enthalten, wenn solche Menschen nerven, die aufschreien, wenn anderen Menschen Leid zugefügt wird.

Wohin willst du gehn?

Sag mal, Lieblingsclub, was soll das eigentlich? Unterhälst mich königlich gegen ManCity, lässt mich aufspringen, schreiend vor Begeisterung gegen Real um mich dann abschliessend, leise lächelnd gegen – erneut – Real zurückzulassen. Ich weiss es wirklich zu schätzen, was du international an Energie, Konzentration und Willen auf den Platz bringst. Denn die Vorstellung letzte Saison war so unglaublich peinlich, dass ich ohne rot zu werden deine Auftritte nicht verteidigen konnte. Was habe ich nicht für Ausreden gefunden. Will aber keine mehr suchen.

Ich habe allerdings nun die klitzekleine Befürchtung, dass du international etwas zu hell brennst, um dann noch in der Liga genug Fussball auf den Platz zu bringen, um auch Spiele gegen den VfB und H96 gewinnen zu können. Oder gegen den HSV.

Nicht dass wir uns falsch verstehen, du musst nicht nach ganz vorne. Natürlich ist second place first looser, aber ich möchte einfach nicht, dass du diese Philosophie nach aussen trägst. Überlass es den Roten, die können das und denen steht es auch. Mag man es Ruhrpottklischee nennen (ich nenne es Understatement und Respekt), aber arbeiten und dann was erreichen, hat was. Ein “Da gehören wir hin” und “Das haben wir uns verdient” ist immer schauderhaft. Dabei störe ich mich nicht an der breiten Brust, die durch den kleinen Stick im Nacken verkörpert wird. Diese eine Seite von “Mia san Mia”, die den Gegner ein bisschen ängstlich gucken lässt, die ist geil. Die andere, überhebliche ist es nicht.

Du darfst nur nicht langweilen, musst wollen und dich konzentrieren. Darum war die erste Hälfte in Madrid auch so toll, so konsequentes Raufgehen auf die wirklich gefährlichen Aussenspieler; habe ich gerne gesehen. Es ist unglaublich schwierig zu koordinieren, jeweils die eine Sechs zur Unterstützung der AVs nach aussen zu nehmen und ich war beeindruckt, wie das geklappt hat. In der zweiten Halbzeit dann nicht mehr. Mourinho hat brutal und richtig reagiert in der Pause. Ich mag Trainer die sehen, dass ein Plan nicht funktioniert und dann reagieren.

Und dass er uns zum Mitfavoriten erklärt hat? Soll ich sagen dass ich das Scheisse finde? Natürlich nicht. Und dass Alex Fergusson gleich mit auf den Wagen springt? Ja, bitte. Ich will das Lob hören, ich will ernst genommen werden. Ich will, dass ein Gegner denkt, Mist die Borussen, dieses Los wollten wir vermeiden.

Ich möchte eben nicht, dass Augsburg denkt, ja passt schon, gegen die Borussen können wir einen Punkt holen. Also bitte soviel Konzentration, dass wir S04, Bayer und die SGE hinter uns lassen. Soviel Ernsthaftigkeit dann doch bitte für die Liga.

Vor diesem Hintergrund: gerne zweistellig gegen Augsburg heute.

Ich kenne kein Alesia!

Hier war ein bisschen Pause. Zum Einen wegen der Länderspielunterbrechung, die mich königlich amüsiert hat. Ich bin und bleibe halt eher so der Typ Vereinsanhänger. Und vielleicht Fussballanhänger. Auf jeden Fall aber in dieser Reihenfolge.

Nationalmannschaft ist kein Konzept mehr, was mich überzeugt. Für einen Ländervergleich Bayern gegen NRW oder Berlin, dafür wäre ich sofort zu haben. Ohne regionalen Bezug fehlt mir irgendwas. Und ausserdem sind da zu viele Spieler von ganz falschen Vereinen.

Dann war ich ja auch noch in Athen zum Amüsemeng. Ganz toller Kurztrip, der auch Fussball im Stadion umfasste. Und zwar das Granatenduell von Olympiacos Piräus gegen Skoda Xanthi. Ein völlig humorloses 4:0 gegen einen Gegner auf Regionalliga Niveau. Ein paar Dinge seien da noch erwähnt zu.

1. Bürotechnik

2. Knabbertechnik

Darauf stehen sie unglaublich, die Ultras vom Gate 7. Bürotechnik und Sonnenblumenkerne. Da können wir noch lernen. Unsere Ultras hauen dann ja doch nur einen Plastikstuhl kaputt, wenn es heisst, eine Gaststätte sei dem Erdboden gleich gemacht worden.

Kommen wir zum eigentlichen Drama (die Geschichte mit den Zähnen und dem Schmerz erzähle ich ein anderes Mal). Auch nach nochmaliger Sichtung unseres Spiels gegen Schalke bin ich einigermassen ratlos. Zur Dreierkette an sich und dem Gestolper der ersten 30 Minuten ist schon alles geschtrieben worden, nur noch nicht von jedem. Ich nehme mir nur Klopp noch einmal vor. Und dabei weniger das Argument, dass er der Gott gewesen wäre, hätte die Dreier-Kette funktioniert. Hätte, hätte Fahrradkette. Ich finde es mit 48 Stunden Abstand dann doch vielmehr eigentlich geil, dass er im emotional wichtigsten Spiel der Saison die Eier hat und eine grundlegende Systemänderung vornimmt. Andererseits ist anscheinend in Kirch und Löwe überhaupt kein Vertrauen vorhanden, wenn man auch nach Systemumstellung dann den 1:1 Ersatz für Schmelzer nicht bringt (der übrigens der maximale Gewinner ist, wo er weder gegen Schweden, noch gegen den S04 gespielt hat). Normalerweise halte ich eine Menge vom In-Game-Coaching von Klopp, aber hier gegen Schalke war wohl der Bruch und die Unsicherheit nach den ersten 30 Minuten so gross, dass kein Justieren mehr half. Ein 3-5-2 war also ein völlig verunglückter Versuch, der nicht mehr zu korrigieren war. Aber mit Eiern! Überrascht war ich davon, wie clever S04 die Konter gesetzt hat. Aber wie sind halt auch wie die Hühnchen übern Platz gelaufen.

Und dann mein ceterum censeo…. Was macht eigentlich Kevin? Oder war das jetzige schon immer eher sein Niveau und er hat nur deutlich drüber gespielt? Ich möchte nicht ausschließen, dass ich hier zuneigungsbedingt an partieller Blindheit leide.

Die Saison droht also schwierig zu werden, was ich aber akzeptieren kann. Absteigen werden wir wohl eher nicht und dann machen die ersten drei Plätze halt der FCB, S04 und wir unter uns aus. Solange Schalke Dritter wird, ein Topergebnis. Denn diese fünf Punkte nerven. Da muss bitte noch was gehen.

Abschliessend: Ich gratuliere ich hier keinem zum Meistertitel. Dem FCB und dem S04 schon mal gar nicht. Den Leuten, die ich gut leiden kann und die wegen unglücklicher Umstände Anhänger dieser Vereine wurden, denen gratuliere ich dann schon aufrichtig wenn unsere letzte Patrone verschossen ist und rechnerisch gar nichts mehr möglich ist. Aber erst dann.

Bis dahin muss ich im Bewusstsein der Tatsache, dass ich die letzten beiden Saisons vor Lachen auf dem Boden lag, wenn es um diese beiden ging, wohl noch den einen oder anderen Spruch fangen. Passt schon. Ich erinnere mich dann an zwei tiefe, tiefe Löcher: vier Minuten im Mai 2001 (für die Blauen) und den 19. Mai (für die Roten). Soviel lustige Sprüche kann man gar nicht raushauen, um diese Löcher zu füllen. Ich fühle mich dann begeistert böser als Lee van Cleef und lehne mich zurück.

Und denke an den 25. Mai 2013 in London. Wenn wir gegen Barca spielen werden.

Update: Łukasz Piszczek hat bis 2017 verlängert. Gute Nachricht.

Und dann noch Musik:

The other Jürgen K.

Liebe Gegner und liebe Anhänger von Gegnern, ihr müsst euch schon entscheiden: findet ihr den BVB scheisse, der immer tiefstapelt und insbesondere in der Person von Klopp eloquent und meist charmant (ihr nennt es wie, arrogant?) Interviews nach dem Spiel gibt, oder doch den BVB mit einem Rage-Klopp wie jetzt gegen Hannover?

Nicht dass es mich gross interessieren würde, weil mir Äußerungen und Angriffe von Dritten relativ egal sind. Dafür liebe ich das Spiel zu sehr und die ewig gleichen Rituale drumherum zu wenig, vor allem aber beschäftige ich mich mit meinem Verein und nicht mit den Strukturen und Präsidenten anderer Vereine. Letzteres vor allem deshalb nicht, weil ich nur meinen Verein gut genug kenne, um mehr über ihn zu sagen. Bei anderen Clubs kann doch allenfalls ein Bild des Vereins wiedergegeben werden, das aus SZ und 11 Freunden im besten (dann ist es ein Ausschnitt der Realität) oder BILD und Express (dann ist es im Zweifel eine diffamierende Lügengeschichte mit hidden agenda) im schlechtesten Fall zusammengestellt wurde.

Ich kann mit Fans anderer Teams sprechen und diese Gespräche sind durch nichts zu ersetzen. Nirgendwo sonst erhalte ich einen solchen Einblick in die Mechanismen und das Seelenleben eines Clubs und nirgendwo sonst bekomme ich Zusammenhänge so gut erklärt. Und wegen dieser Gespräche und aus Respekt vor der Zuneigung zu einem Verein werde ich nie verstehen, wie man sich hämisch oder abwertend über einen Konkurrenten äußern kann. Ich wüsste im Übrigen auch gar nicht, wo ich die Zeit und Energie dafür hernehmen sollte, ich habe genug damit zu tun, mich abwertend über meinen eigenen Club zu äußern.

Und jetzt kriege ich doch noch irgendwie die Kurve zu Rage-Klopp. An seiner Vorstellung nach dem Hannover Spiel finde ich nämlich nichts auszusetzen. Er war angepisst. Ja und? Ich auch, verdammte Scheisse.

Aus einer Woche, in der wir das Spiel gegen den englischen Meister dominiert haben und gegen Hannover den Sack in der ersten Halbzeit hätten zumachen können und müssen, ist eine Woche geworden mit 2 aus 6 und einem Haufen wichtiger Spieler, die langfristig verletzt sind. Und dann die beiden Elfmeterentscheidungen, die ich nicht inhaltlich diskutieren, sondern nur in ihrer Wirkung auf Trainer (und Fan) richtig eingeschätzt wissen möchte. Wenn man beim englischen Meister bis einige Minuten vor Schluss führt, dann ist so eine Entscheidung ein Schlag mit dem Paddel ins Gesicht, auch wenn wir ansonsten in Manchester eine tollen Eindruck hinterlassen haben (aufm Platz und wir als Support). Hannover hat auch eine Geschichte aus der letzten Saison, als wir da durch zwei sehr späte Tore verloren haben. Dann fängst du in einem der schwierigsten Auswärtsspiele der Saison (viele werden nämlich in Hannover nicht mehr punkten) ein spätes Gegentor (und hast drölfzig Chancen in der ersten Halbzeit nicht genutzt), nachdem dir vorher in Blaszczykowski und Hummels zwei ganz entscheidende Spieler weggebrochen sind. Bender muss raus und Kehl aufm Platz genäht werden.

In so einer Situation kommen die Journalisten mit ihren kreuzdummen Fragen nach dem Spiel. Wie reagiert man dann? Offensichtlich hat Klopp hier in der Vergangenheit ein dermassen blendendes Bild abgegeben, dass jetzt drei Sätze, die weniger geeignet waren, Liebe für den BVB zu entfachen, ausreichen, um auf ihn zu zeigen und das ganze Standardprogramm abzuspielen (mit Alliteration! Und die kann keiner so kernig wie der Kicker): Klopp-Krise!

Verbunden mit der Aufforderung, der Trainer solle doch mal einen souveräneren Eindruck hinterlassen. “Mach dich mal locker Kloppo!”

Nee, Alter, mach mal nicht. Bleib sauer.

Wir haben nämlich jetzt entscheidende Spiele vor der Nase. Real und Derby. Da sollten wir schon was zeigen. Und ein bisschen Messer zwischen den Zähnen brauchst du da.